Jeder Dritte ist ein Friseurmuffel

Immer mehr Kleinstsalons prägen die Branche

  • Uta Knapp, Düsseldorf
  • Lesedauer: 2 Min.

Mehr als jeder dritte Deutsche ist ein Friseurmuffel und geht weniger als einmal im Jahr zum Haareschneiden. Trotzdem kann die Branche Milliardenumsätze verbuchen. Gut sechs Milliarden Euro erwirtschafteten die rund 80 000 deutschen Friseursalons im vergangenen Jahr mit Waschen, Schneiden, Föhnen, Färben und Dauerwellen und anderen Dienstleistungen rund um die Schönheit. Damit sei der Umsatz im Vergleich zum Jahr zuvor um rund 200 Millionen Euro weiter gestiegen, berichtete die Branchenexpertin und Chefredakteurin des Friseurmagazins »Top Hair International«, Rebecca Kandler, zum bevorstehenden Start der gleichnamigen Fachmesse in Düsseldorf, die am 22. und 23. März stattfindet.

Wer zur Stammkundschaft gehört, geht in der Regel gut alle zwei Monate zum Friseur. Dabei habe die Zahl der durchschnittlichen jährlichen Friseurbesuche von 5,7 im Jahr 2012 auf 5,5 im vergangenen Jahr weiter abgenommen, berichtete Kandler. Männer müssten dagegen wegen ihres Kurzhaarschnitts mit durchschnittlich 7,6 Besuchen im Jahr deutlich häufiger zum Nachschneiden. Wer gar nicht oder sehr selten zum Friseur gehe, lasse sich meist im Familien- oder Bekanntenkreis in Eigenregie frisieren.

Mit im Vergleich unveränderten durchschnittlichen Ausgaben pro Friseurbesuch von 26,20 Euro zeigten sich die Deutschen dabei eher sparsam. Die Preisspanne reiche jedoch vom einfachen 10-Euro-Salon bis zum Luxus-Wellness-Tempel mit dreistelligen Euro-Preisen. Vor allem durch zusätzliche Dienstleistungen wie etwa Färben müssten Frauen dabei meist deutlich tiefer in die Tasche greifen. »Diese Differenzierung wird in den kommenden Jahren weitergehen«, ist sich die Expertin sicher. Im Trend seien spezialisierte Salons etwa für die jüngere Generation, Blonde oder Menschen mit feinen Haaren. »Den Familien-Salon gab es gestern«, sagte Kandler.

Die Entwicklung führe aber auch zu immer mehr Klein- und Kleinstbetrieben, stllte Kandler fest. Nicht der mittelgroße Salon, sondern zunehmend auch der Ein-Mann oder Ein-Frau-Betrieb sei in der Gunst der Verbraucher gefragt. Mittlere Friseurläden seien dagegen die Verlierer der Entwicklung. Die Zahl der großen Salons sei dagegen weitgehend gleich geblieben.

Zwischen 2500 und 3000 werden pro Jahr in Deutschland geschlossen. Etwa die gleiche Anzahl werde neu eröffnet, sagte Kandler. Hintergrund sei die meist vergleichsweise geringen Investitionen, die vielen Friseuren den Schritt in die Selbstständigkeit erleichterten. Unklar sei derzeit noch, welche Auswirkungen die bevorstehende Anhebung des Mindestlohns auf einheitlich 8,50 Euro bis 2015 im Friseurhandwerk haben werde. dpa/nd

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