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Zum 6258. Mal

Freitags Woche

Die Welt der TV-Preise ist vielfältig. Es gibt belanglose Trophäen wie die Goldene Kamera und noch belanglosere wie die Goldene Henne. Belanglose, aber glitzernde wie den Bambi oder so richtig belanglose, weil hirntote, wie den Deutschen Fernsehpreis. Und es gibt den Grimme-Preis. Die wichtigste, nein - einzig wichtige Auszeichnung für gediegenes Fernsehen in Deutschland hat ihre Preisträger 2014 bekanntgegeben, und nur bei dieser Jury hatte man das Gefühl, sie hätte sich mit ihrem Medium auseinandergesetzt.

Die zwei NDR-Produktionen »Mord in Eberswalde« und »Grenzgang« haben ebenso gewonnen wie das Kundus-Drama »Eine mörderische Entscheidung« oder die famose Echtzeitreihe »Zeit der Helden«. Zudem Sachfilme von »The Voice of Peace« bis »Work Hard - Play Hard«. Und dann noch die Moderatoren Sonneborn, Böhmermann plus - Achtung: Joko und Klaas als einzige Vertreter kommerzieller Kanäle. Sie alle eint das Bemühen, Spuren am Bildschirm zu hinterlassen, nicht bloß Fettflecken. Das unterscheidet sie von, sagen wir, Michelle Hunziker und Josefine Preuß.

Während »Die große Überraschungsshow« am Mittwoch bloß Rudi Carrells Erbe mit Gottschalks Ex-Assistentin auf Solopfaden aufkocht, variiert das Historienmelodram »Die Hebamme« tags zuvor das Dauerthema starker Frauen (Preuß) in frauenfeindlicher Zeit (1799) zum 6258. Mal und liefert dabei derart überdramatisierte Stromlinienkost, dass die Geigen nur so scheppern. Da lobt man sich den heutigen ZDF-Film »Kein Entkommen« mit Anja Kling als traumatisiertes Gewaltopfer mit anschließendem Mobbing-Problem. Auch das Thema wird bereits zum 6258. durchgespielt, dank besserer Darsteller aber auf dem Niveau des ARD-Mittwochsfilms - diesmal mit einem Film der ungewohnten Art: »Die Fahnderin« nimmt sich des Themas Steuerbetrug an, das im Lichte des Hoeneß-Urteils zwar die Massen bewegt wie sonst höchstens Krim-Krise und Lanz-Bashing, für herkömmliche Krimis allerdings bislang als völlig ungeeignet galt zwischen all den Kinderschändern und Serienmördern. Vielleicht öffnet Katja Riemann in der Hauptrolle ja Türen für Ermittler jenseits des Kapitalverbrechens à la »Tatort«, der Sonntag in Kiel Station macht.

Das wird umso wichtiger, als RTL parallel dazu relevante Themen dadurch verhöhnt, dass es Mario Barth darauf ansetzt, der angeblich irgendwas aufdeckt, tatsächlich aber nur seinen Kontostand erhöht. Nicht das einzige, was ihn mit Helene Fischer verbindet, die Donnerstag im Ersten mit viel Glamour (aber ohne Frei.Wild) den Echo verleiht. Das dürfte zwar weniger Zuschauer haben als »Cobra 11«, das zeitgleich bei RTL in die 6258. Staffel geht, aber weit mehr als der tolle Arte-Dreiteiler »Burning Bush«, der den Prager Frühling aufarbeitet. Kalter Krieg zum Anfassen quasi. Heißen Krieg gibt’s am Dienstag, wenn »ZDFzeit« die Soldaten des Ersten Weltkriegs »Mit Jubel in die Hölle« schickt. Da wirkt der Tipp der Woche fast friedlich: »Wie ein wilder Stier« (heute, 22.20 Uhr, Arte) mit dem jungen Robert de Niro als Boxer.

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