Vollblutpolitiker gegen Millionär

In der Slowakei kämpfen Seiteneinsteiger Kiska und Regierungschef Fico um das Präsidentenamt

Das Rennen um das slowakische Präsidentenamt ist völlig offen. Am Samstag treten Regierungschef Fico und Millionär Kiska in der Stichwahl an. Die Nichtwähler der ersten Runde könnten entscheiden.

Aus der ersten Runde der slowakischen Präsidentschaftswahl blieben mit Robert Fico und Andrej Kiska zwei völlig gegensätzliche Bewerber für die entscheidende Stichwahl übrig. Fico, der Vollblutpolitiker und derzeitige sozialdemokratische Regierungschef, tritt gegen den Seiteneinsteiger und Multimillionär Kiska an.

Die beiden Kandidaten erhielten im ersten Wahlgang vor zwei Wochen 28 beziehungsweise 24 Prozent der Wählerstimmen. Im Kampf um das höchste Staatsamt gilt es nun sowohl die Wähler der übrigen zwölf Kandidaten des ersten Urnengangs als auch jene Stimmberechtigten zu überzeugen, die am 14. März der Abstimmung fernblieben. Nicht einmal die Hälfte aller wahlberechtigten Slowaken (43 Prozent) hielt es unlängst für nötig, bei schlechtem Wetter die Wahllokale aufzusuchen - wohl aber auch weil Demoskopen und Medien sowohl die Stichwahl als auch die dafür antretenden beiden Kandidaten vorausgesagt hatten.

Wie bereits vor fünf Jahren darf aber erwartet werden, dass am Samstag die Beteiligung steigen wird. 2009 wählten im ersten Durchgang 47,9 Prozent der Slowaken, während es zur Stichwahl, aus der Ivan Gasparovic als Präsident hervorging, 55 Prozent der Stimmberechtigten waren.

Fico scheint im zweiten Wahlgang im Vorteil zu sein. Bereits zweimal in der Funktion des Regierungschefs gewesen, kann der sozialdemokratische Politiker auf ein ausreichendes Maß an praktischer Erfahrung und eine positive Wirtschaftsbilanz in seiner Regierungszeit verweisen. Er will weiter als Moderator zwischen den politischen Parteien im Inland, mit den Oberhäuptern der Nachbarstaaten sowie der EU wirken. Ficos gute Beziehungen zu Russland und zur Ukraine könnten in diesen Tagen ausschlaggebend für die Wahl sein.

Kiska ist dagegen ein politisch unbeschriebenes Blatt. Seinen Ankündigungen nach will er sich für einen Abbau der Arbeitslosigkeit und für ein besseres Sozial- und Gesundheitswesen einsetzen. Wie das geschehen soll, lässt der bürgerliche Kandidat offen. Diese Konzeptlosigkeit nahm Fico als Kritikpunkt auf und erklärte, man könne sich auch »als Multimillionär keinen Präsidentensessel kaufen«. Der Smer-Chef spielte damit auf die Aussage Kiskas an, er habe seinen Wahlkampf selbst finanziert.

Es wird also bis Samstagabend abzuwarten sein, wer in den Grasalkovic-Palast einzieht. Die in der ersten Runde ausgeschiedenen Kandidaten - vor allem die dritt- und viertplatzierten Radoslav Prochazka und Michal Knazko - wollten sich nicht äußern, welchen Kandidaten sie unterstützen werden. Kiska ist jedoch auf die Hilfe aus dem bürgerlichen Lagers angewiesen, will er seine Chance wahren.

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