Vorerst kein Ehrengrab für SS-Mann

  • Marcus Meier, Bochum
  • Lesedauer: 3 Min.
Bochums CDU fordert ein städtisches Ehrengrab für den einstigen SS-Angehörigen Josef Hermann Dufhues. Ein LINKE-Ratsherr ging auf die Barrikaden - vorerst erfolgreich.

Der Antrag 3.1, der am Mittwoch im Hauptausschuss des Bochumer Stadtrates behandelt werden sollte, besaß eine gewisse Sprengkraft, drehte er sich doch um das Gedenken an den in den 1950er- und 1960er-Jahren bedeutsamen Politiker Josef Hermann Dufhues. Und der Christdemokrat war nicht nur Industrie-Anwalt, NRW-Innenminister, Landtagspräsident und beinahe Bundesvorsitzender seiner Partei - sondern zuvor auch Mitglied der SS.

Trotzdem der Antrag 3.1, gestellt von der oppositionellen CDU-Fraktion: Das familiäre Pachtrecht für das Grab des 1971 verstorbenen Dufhues sei ausgelaufen. Nun drohe die Beseitigung der Grabanlage »samt dem (sic!) ästhetisch eindrucksvollen Grabdenkmal«. Das jedoch werde der Bedeutung des »Landes- und Bundespolitikers von Rang« nicht gerecht. Der Stadtrat möge die Ruhestätte auf dem Friedhof an der Stiepeler Straße zum Ehrengrab der Stadt Bochum erklären und die Kosten der Grabpflege übernehmen. Dufhues, so ergänzte CDU-Ratsfraktionschef Klaus Franz zu Beginn der Ausschusssitzung, habe sich »große Verdienste« für Bochum erworben. Und doch ziehe man den Antrag 3.1 »erst mal zurück«. Dass sich dafür keine Mehrheit abzeichnete, erwähnte der CDU-Mann bloß in einem Nebensatz.

Bedeutsamer erschien ihm anderes. Es habe nämlich in den letzten Tagen »demagogische Äußerungen« gegeben, die zwar nicht haltbar seien, doch wolle die CDU Dufhues Namen nicht beschädigt sehen. Gleichwohl habe man bereits mit Juristen gesprochen. »Mal sehen«, polterte Franz, »wie es weitergeht«. Eine klare Klagedrohung an den »Demagogen« Ralf Feldmann von der Linksfraktion.

»Kein Ehrengrab für den SS-Mann Dufhues«, so war eine Stellungnahme überschrieben, die Feldmann via Internet verbreitet und auch an die anderen Ratsfraktionen geschickt hatte. Seit November 1933 habe Dufhues dem 4. SS-Reitersturm angehört. Feldmann beruft sich dabei auf die Studie »Das vergessene braune Erbe« aus dem Jahr 2009, die ein damaliger LINKE-Abgeordneter in Auftrag gegeben hatte. Erstellt hat sie der Historiker Michael C. Klepsch. Auch Dufhues habe der SS angehört, sagt Klepsch unter Berufung auf Akten aus dem Bundesarchiv.

Bisher, so Feldmann, habe die Stadt mit Ehrengräbern »ihren von nationalsozialistischen Verbrechern ermordeten Widerstandskämpfern Hochachtung und Dankbarkeit« gezollt. Und nun ein Ehrengrab für einen SS-Mann? »Nein, ich denke, der CDU-Antrag ist endgültig vom Tisch«, sagt Feldmann.

Das könnte sich als Irrtum erweisen »Dufhues hat keine braunen Flecken auf der weißen Weste«, verlautbarte Bochums CDU am Donnerstag. Feldmann werfen die Christdemokraten »unerträgliche Demagogie« vor. Er berufe sich lediglich auf eine Quelle, in der Dufhues »unseriös leichtfertig« einsortiert worden sei. Die CDU selbst verlinkt auf einen Text ihres Kulturexperten Clemens Kreuzer, demzufolge Dufhues als organisierter Reiter »pauschal« in die SS-Reiterstaffel übernommen worden sein könnte, auch wenn sich die Frage »nicht mehr definitiv klären« lasse. Auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung gibt ein Leumundszeugnis für Dufhues ab: Der habe nur »vorübergehend einer SS-Teilorganisation« angehört, die zudem »als eine nicht verbrecherische Organisation eingestuft worden« sei. Einem Ehrengrab stünde nichts entgegen.

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