4000 Süchtige in Behandlung

Sachsens Grüne drängen auf Konzept gegen Crystal Meth

In Sachsen vergeht fast kein Tag ohne eine Meldung zur Modedroge Crystal und ihren verheerenden Wirkungen. Der Freistaat sieht sich mit dem Problem bundesweit am stärksten konfrontiert.

Dresden. Sachsen braucht nach Ansicht der Grünen schleunigst ein Konzept im Kampf gegen die Modedroge Crystal. Sie stammt vor allem aus Drogenküchen in Tschechien und überschwemmt den Freistaat regelrecht. Dem Landeskriminalamt (LKA) zufolge wurden 2013 in Sachsen 15 Kilogramm Crystal sichergestellt. Bei etwa drei Tonnen der Droge, die aus tschechischer Produktion jährlich für Deutschland bestimmt seien, sei dies aber »nur die Spitze des Eisberges«, hieß es. Am Ostermontag warfen die Grünen der Regierung vor, wertvolle Zeit verstreichen zu lassen. Die Regierung habe zwar im Dezember 2013 eine »Präventionsstrategie Crystal« angekündigt, aber seitdem sei nichts mehr davon zu hören, sagte die Landtagsabgeordnete Elke Herrmann.

Ein solches Konzept müsse mit den Kommunen abgestimmt werden. Die Landkreise und kreisfreien Städte seien mit dem Crystal-Problem überlastet. Das gelte nicht nur für die Suchtkrankenhilfe, sondern auch für die Kinder- und Jugendhilfe.

Erst in der Vorwoche waren alarmierende Zahlen über das Ausmaß des Crystal-Konsums in Sachsen und anderen Bundesländern bekannt geworden. Demnach hatten sich 2013 im Freistaat rund 4000 Suchtkranke wegen Crystal behandeln lassen. Das sind nach Angaben der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS) 22 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. »Crystal ist seit einigen Jahren das Problem Nummer eins bei den illegalen Drogen in Sachsen«, sagte SLS-Leiter Olaf Rilke am vergangenen Donnerstag. Der Großteil der Hilfesuchenden ist zwischen 20 und 29 Jahre alt.

Dem sächsischen Landeskriminalamt zufolge kamen 2013 im Freistaat erstmals vier Menschen ausschließlich durch Crystal ums Leben. Experten gingen von einem immer früheren Einstiegsalter aus, hieß es. Bei Crystal liege es derzeit bei zwölf Jahren.

Crystal ist in der Szene auch als Meth bekannt. Der Stoff wird meist geschnupft und macht extrem schnell abhängig - oft schon nach dem ersten Konsum. Crystal kann auch zu Herzversagen führen. Vor allem aber löst die synthetische Droge Psychosen und Hirnschäden aus, sie tötet großflächig Nervenzellen ab. Betroffene weisen deshalb schon in jungen Jahren Symptome wie Alzheimer-Patienten auf. Viele der Abhängigen leiden unter Verfolgungswahn und Gedächtnisstörungen. nd/Agenturen

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