Vermittler
PERSONALIE
Fortschritte bei der Bewältigung der Ukraine-Krise, möglichst sogar der Durchbruch. Das ist das Hauptziel des informellen Gesprächs von Nursultan Nasarbajew am heutigen Freitag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Kasachstans Präsident vermittelt seit Dezember nicht nur zwischen Moskau und Kiew. Er will auch für Deeskalation in den Beziehungen Russlands zu Europa sorgen und hat die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine für nächste Woche in seine Hauptstadt Astana eingeladen.
Mit dem Flug vom Ischim-Fluss an die Spree macht Nasarbajew, der den Steppenstaat seit 1990 regiert, indes auch Werbung in eigner Sache. Denn der »lichte Herrscher«, wie Nursultan wörtlich übersetzt heißt, wird seinem Namen nicht immer gerecht. Zwar war es Nasarbajew, der den Uralt-Traum der mit den Türken verwandten Kasachen von Eigenstaatlichkeit wahr machte. Auch ist er Synonym für das teilweise atemberaubende Tempo beim Aufbruch in die Moderne. Doch der goldene Eintrag in die Geschichtsbücher könnte an Demokratiedefiziten, Vetternwirtschaft und Korruption scheitern.
Auf seiner Haben-Seite steht neben der neuen Hauptstadt Astana, die wie eine Vorwegnahme des 22. Jahrhunderts wirkt, vor allem, dass es gelang, den zu Kasachstan gehörenden Nordteil des inzwischen fast völlig ausgetrockneten Aral-Sees zu retten und damit eine der weltweit größten Umweltkatastrophen zu stoppen.
Kasachstan setzte sich beim Kampf um die Rolle einer regionalen Führungsmacht gegen Usbekistan durch. Nasarbajew ist Wladimir Putins wichtigster Verbündeter in der Eurasischen Union. Virtuos spielt er die mächtigen Nachbarn Russland und China gegeneinander aus.
Opposition und kritischen Medien geht es in Kasachstan zwar wesentlich besser als bei den meisten Nachbarn in der Region, aber ähnlich schlecht wie in Russland. Die profitabelsten Unternehmen kontrolliert der Nasarbajew-Clan. Dessen Chef hat nur noch einen Feind von Rang: Das Alter. Im Juli wird er 75.
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