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Regenbogen über Uganda

Mit »Bombastic« erscheint das erste Magazin für Homosexuelle

Uganda ist für Homosexuelle ein gefährliches Land. Die konservative Regierung hat ein Klima des Hasses gegen Schwule und Lesben geschaffen. Das versucht ein Magazin für Homosexuelle zu ändern.

Händchen halten Männer sieht man in Uganda jede Menge. Nur ist es Ausdruck von Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Verkaufstalent. Für Liebe steht es nicht, man müsste lebensmüde sein in Uganda seine Homosexualität offen zur Schau zu tragen. Zwar wurde 2014 ein Gesetz gekippt, in dem vorgesehen war, Schwule und Lesben lebenslänglich hinter Gitter zu stecken und die Bevölkerung dazu bringen sollte, Homosexuelle zu denunzieren, doch der Präsident Robert Musevini bleibt ein Hardliner und wünscht sich lieber heute als morgen eine extrem repressive Gesetzgebungen. Zu der politischen Auseinadersetzung kommt noch hinzu, dass viele Menschen in Uganda gerne zur Selbstjustiz greifen um der oft untätigen und korrupten Polizei zuvor zu kommen. Im Falle der Homosexuellen bedeutet das, dass sie nicht selten um ihr Leben fürchten müssen, wenn jemand von ihren Vorlieben erfährt.

Doch in dieser düsteren Lage regt sich schillernder Widerstand. Von einer farbenfrohen Maske geschmückt mit lila Federn lächelt ein Männ von dem Titel eines Hochglanzmagazins, darunter ein Regenbogen und der Schriftzug: »Unsere Stimmen, unsere Geschichten, unsere Leben.« Unter dem Namen »Bombastic« wird das Hochglanzmagazin in Uganda seit vergangenem Monat gratis in der Homosexuellen-Gemeinschaft verteilt - ein mutiger Schritt von Aktivisten, denn starker Widerstand war zu erwarten.

»Es wurden schon Ausgaben der Zeitschrift vor unseren Augen verbrannt, und im Norden von Uganda wollte die Polizei uns gar festnehmen - aber wir sind entkommen«, sagt Moses Kimbugwe, der für den Vertrieb von »Bombastic« zuständig ist. Derzeit hat das Magazin eine Auflage von 15 000 Exemplaren, während sich bereits 30 000 weitere Interessenten die Online-Ausgabe heruntergeladen haben.

Gleichzeitig zur »Bombastic«-Veröffentlichung ging der Internet-Radiosender Kuchu auf Draht, ebenfalls mit dem Ziel, die tief verwurzelten Vorurteile innerhalb der Bevölkerung zu bekämpfen. Kuchu bedeutet in einer Lokalsprache so viel wie »Schwuler« oder »Tunte«.

»In den Medien werden schon lange Hass-Botschaften über uns verbreitet, und wir haben uns entschlossen, all diese Mythen und Lügen endlich richtigzustellen«, schreibt die Menschenrechtsaktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera im Leitartikel von »Bombastic«. Finanziell werden die Zeitschriftenmacher von ugandischen Homosexuellen und ausländischen Sympathisanten unterstützt.

In dem Magazin erzählen Schwule und Lesben ihre Geschichten - oftmals anonym, aus Angst vor Verfolgung. In Uganda homosexuell zu sein, fühle sich an wie »ständig im Todestrakt zu sitzen, weil Du nicht weißt, wann Du getötet wirst«, schreibt eine Lesbe. »Wir leben zwar nicht in Käfigen, aber wir sind dennoch Gefangene dieser Unsicherheit, der Bedrohungen und der herabwürdigenden Bemerkungen, die über uns gemacht werden.«

Viele Ugander haben kein Verständnis für solche Probleme. »Ich habe die Zeitschrift gelesen, aber ich finde Schwule anormal«, sagt Sulaiman Mukasa, der in Mukono, etwa 20 Kilometer östlich von Kampala, in einem Internetcafé arbeitet. »Dass ein Mann eine Beziehung mit einem anderen Mann hat, ist gegen die Natur.«

Der ugandische Minister für Ethik und Anstand, Simon Lokodo, hat die Macher von »Bombastic« bereits gewarnt, dass sie eine Festnahme riskieren. »Ich denke, dass sie vor Gericht ein paar Fragen beantworten werden müssen«, sagte er. Die Veröffentlichung von Material mit homosexuellem Inhalt wird in Uganda mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft.

In einem Land , in dem Männer mit Haaren, die länger als 4 Millimeter sind, als Mädchen bezeichnet werden, wartet auf die Macher noch viel Arbeit. dpa/nd

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