Güterverkehr - billig und umweltschonend

VCD-Leitfaden zur Belastung der Innenstädte

  • Von Anna Wolkenhauer
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit Schäden für Umwelt und Gesundheit durch den Lastwagen-Verkehr in Innenstädten beschäftigen sich Verkehrswissenschaftler seit Langem. Gestern wurde hierzu eine von der Bundesregierung finanzierte Untersuchung veröffentlicht.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) stellte gestern in Berlin seinen Leitfaden »Städtischer Güterverkehr - Umwelt schonen und Kosten sparen« vor. Dieser richtet sich vor allem an kommunale Praktiker und Entscheidungsträger und bietet ihnen Lösungsvorschläge zu ökologischen und wirtschaftlichen Problemen an, die durch den Lkw-Verkehr entstehen. Mensch, Umwelt, Industrie und Handel leiden Der Leitfaden entstand in Zusammenarbeit des VCD mit Transport- und Logistikunternehmen, wirtschaftlichen Verbänden sowie Handelsvertretern. Auch das Bundesumweltministerium beteiligte sich an den Gesprächen am »runden Tisch« und entschied, das Projekt zusammen mit dem Umweltbundesamt zu finanzieren. Die fast 100-seitige Schrift macht darauf aufmerksam, dass der rege Güterverkehr zwar für Wirtschaft und Bruttoinlandsprodukt förderlich ist, für Mensch und Umwelt jedoch besonders in Ballungsgebieten eine erhebliche Belastung darstellt. Luftschadstoffe, Lärm, Erschütterungen und eine erhöhte Unfallgefahr werden vor allem von den schweren Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen verursacht. Auch städteeigene Klimaziele können durch den ständigen Belieferungsbetrieb schwer eingehalten werden. Doch nicht nur im Hinblick auf die Bewohner von Großstädten gibt es Handlungsbedarf. Die Fuhrunternehmen selber, sowie Handel, Gewerbe und Industrie haben unter schlecht organisiertem Güterverkehr zu leiden, heißt es in dem VCD-Papier. Die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur sorgt für verstopfte Straßen, fehlende Standflächen für die Belieferer und erhöhte Schäden im Straßennetz, die wiederum zu großen Unterhaltungs- und Instandsetzungskosten führen. Um dieser negativen Entwicklung Einhalt zu gebieten, hat der Verkehrsclub eine Reihe von Lösungsansätzen entwickelt. Grundanliegen ist hierbei, den städtischen Güterverkehr insgesamt zu verringern und die verbleibenden Belastungen so weit wie möglich zu reduzieren. Der Gebrauch von umweltbelastenden Lieferfahrzeugen soll beispielsweise durch Fahrrad- und Laufkuriere eingeschränkt werden. Eine effektive »City Logistik« sollte aus VCD-Sicht auch die Belieferung über Wasserwege einschließen. Um die dennoch notwendigen Schwertransporter umweltschonender zu machen, sollte vorübergehend auf Partikelfilter und längerfristig auf Erdgasnutzung zurückgegriffen werden. Dieser alternative Treibstoff sei preiswerter, leiser und vermeide den Ausstoß von Feinstaub, CO2- und Stickoxid. Dies hätte erhebliche Vorteile für Menschen und Unternehmen. Verbesserungsvorschläge gut umsetzbar Der VCD betonte, dass alle im Leitfaden empfohlenen Verbesserungsmöglichkeiten praxiserprobt und umsetzbar seien. Achim Beier vom Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste lobte das »riesige Potenzial«, das in der VCD-Schrift stecke, und Mathias Samson vom Bundesumweltministerium sagte, ihn hätte die »Praxisbezogenheit überzeugt«. Zum Einsatz könnte der Leitfaden schon bald kommen - wenn im Herbst dieses Jahres mit Inkraftreten der sogenannten Kennzeichnungsverordnung in deutschen Städten dauerhafte Umweltzonen eingerichtet werden sollen, mit denen Kraftfahrzeugen bestimmter Schadstoffklassen ein Fahrverbot erteilt wird. Wenn Unternehmen und Händler dann gezwungen sind umzudenken, werden ihnen die Lösungsvorschläge des VCD sicherlich gelegen kommen.

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