Potenziale erkennen

Lena Tietgen findet, dass die Pädagogik Migranten zu sehr als Problemfälle sieht

  • Lesedauer: 2 Min.

Derzeit prallen in der Pädagogik Menschenbild und Wirklichkeit aufeinander. Dies wird vor allem im Kontakt mit Migrantenkindern sichtbar. So steht am Ende des traditionellen pädagogischen Bemühens ein Subjekt ohne Zweifel, Einbrüche oder Fehlverhalten, respektive eines, das sich reflektierend einordnet. Abseitiges wird in der pädagogischen Praxis oftmals geleugnet.

Doch seit der Inklusionsdebatte drängt das Andersartige in unser Sichtfeld. In die Bildungseinrichtungen kommen Kinder mit körperlichen, geistigen oder sozial-emotionalen Defiziten. Das ist für Pädagogen nicht einfach auszuhalten, erst recht nicht, wenn das erlernte Menschenbild dies nicht zulässt. Der Kontakt mit Migrationskindern wird zum Problem, verkörpern diese doch fremde Kulturen.

Nicht selten geraten auch wohlmeinende Pädagogen an ihre Grenzen. Wie wäre es aber,sie würden statt der Defizite die Potenziale sehen, die Andersartigkeit nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung betrachten? Das uns fremd erscheinende Verhalten von Migrantenkindern, sozial Benachteiligter und emotional Verlassenen gilt es zu verstehen lernen. Verschließt man sich diesen Menschen, entfalten sich Potenziale nur unzureichend und können unter Bedingungen der Exklusion sogar in sektiererische oder kriminelle Energie umschlagen, die wiederum die Exklusion beschleunigt.

Gerade Kindern sollte der Raum zugestanden werden, in dem sie sich auf spielerische Weise im Kontakt mit anderen erproben und ihr Potenzial entfalten können. Ein Menschenbild, das Fremdes und Defizitäres als Teil der eigenen Kultur begreift, wäre hierfür eine Basis.

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