Aufklären reicht nicht

Grit Gernhardt hofft auf weitere Lehren aus dem VW-Skandal

Wer am Sonntag »Tatort« schaut, weiß, Aufklärung ist das höchste Ziel. Dann wird nach anderthalb Stunden alles wieder gut - oder zumindest besser als vorher. Auch VW scheint diese Taktik zu gefallen: Auf der Pressekonferenz am Donnerstag betonten Konzernchef Müller und Aufsichtsratschef Pötsch, den Dieselskandal schonungslos aufklären zu wollen und dabei schon weit gekommen zu sein.

Anders als für ein Ermittlerteam beim »Tatort« ist mit der Aufklärung des Vorgangs und einer Bestrafung der Verantwortlichen jedoch für die VW-Führung die Arbeit noch lange nicht beendet. Um Skandale künftig zu verhindern, muss die Konzernpolitik grundsätzlich neu ausgerichtet werden, das gaben Pötsch und Müller zu. Ob die in Gang gebrachten Maßnahmen - »Vier-Augen-Prinzip« in der Entwicklungsabteilung, externe Abgastests, Verkauf des konzerneigenen Airbus - mehr als kosmetische sind, darf bezweifelt werden. Dabei könnte eine Neuausrichtung hin zu Nachhaltigkeit und Ökologie den enormen Vertrauensverlust kompensieren, der VW entstanden ist. Doch solange man - auch aufgrund verfehlter gesetzlicher Regelungen - mit Oberklasse-Spritfressern mehr Geld verdienen kann als mit Elektroautos, sehen Autobauer keinen Grund zur Wende. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Skandal aufgeklärt werden muss.

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