Ausgekohlt

Nach 34 Jahren hat Vattenfall im Tagebau Cottbus-Nord die Förderung eingestellt

  • Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Verstromung von Braunkohle ist eine der größten Lasten für das Weltklima, doch in der Lausitz hängen an der Kohlewirtschaft Tausende Arbeitsplätze. Bis 2040 wird das Land noch daran festhalten.

Am Mittwoch hat der letzte Kohle-Zug den Tagebau Cottbus-Nord verlassen. Die Förderung von Rohbraunkohle in diesem Revier ist damit nach 34 Jahren eingestellt worden. Die Vorkommen sind erschöpft. Planmäßig schließt der Energieriese Vattenfall damit den ersten seiner fünf Tagebaue in der Lausitz. Der schwedische Staatskonzern ist gerade dabei, sein Engagement in der ostdeutschen Braunkohlewirtschaft zu beenden, bis Weihnachten sind Kaufinteressenten aufgefordert, ein offizielles Angebot abzugeben. 2016 soll der neue Eigentümer feststehen.

Für viele Kumpel, die zum Teil seit Jahrzehnten bei jeder Witterung im Tagebau Cottbus-Nord gearbeitet haben, ist dessen Schließung ein bewegendes Ereignis. Vor allem manchem der Älteren wird der Abschied schwer fallen. Im Tagebau Cottbus-Nord hatten sie seit 1981 rund 220 Millionen Tonnen Braunkohle aus der Erde geholt. Die Kohle wurde ins Kraftwerk Jänschwalde geliefert. Ihr Beitrag zur sicheren Energieversorgung hat sie mit Stolz erfüllt.

Zur Abschlussfeier mit der letzten Schicht war am Mittwochnachmittag Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) nach Heinersbrück (Spree-Neiße) gekommen. »Das Ende des Tagebaus ist keinesfalls ein Abschied von der Lausitzer Braunkohle, sondern markiert den Beginn eines neuen Kapitels - der Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft zum Cottbuser Ostsee«, betonte er. Es sei ein geplanter Abschied, der keinen Strukturbruch zur Folge haben werde, versprach der Minister den Bergleuten.

Allein die CO2-Bilanz der Braunkohlekraftwerke ist verheerend. Dennoch tut sich das Land Brandenburg schwer mit der Forderung nach einem schnelleren Ausstieg aus der als »Klimakiller« verschrienen Braunkohle. Erst zu Wochenbeginn hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die Energiepolitik der Bundesregierung kritisiert und ein Festhalten an den bisherigen, bis in die 2040er Jahre reichenden Planungen unterstrichen. Das gebiete die Gewährleistung der Rund-um-die-Uhr-Versorgungssicherheit für Einwohner und Industrie. Nicht zuletzt geht es aber auch um die insgesamt rund 8000 Arbeitsplätze, die in Brandenburg noch immer direkt oder indirekt von der Braunkohle abhängen.

Der Abgesang der Grüne Liga auf den Tagebau fiel bitter aus. Sie verwies insbesondere auf die Schattenseiten der Braunkohlewirtschaft. »Auf Jahrzehnte der Zerstörung von Dörfern, Denkmälern und Natur durch den Tagebau Cottbus-Nord werden weitere Jahrzehnte mit unkalkulierbaren Risiken folgen«, hieß es in einer Presseerklärung. In Zukunft betreffe das - eingedenk der ungelösten Probleme mit der »Spree-Verockerung« - vor allem die Wasserqualität des Restsees. »Probleme für das Biosphärenreservat Spreewald und die Trinkwasserversorgung Berlins können nicht ausgeschlossen werden«, wird René Schuster, Mitglied des Brandenburgischen Braunkohleausschuss zitiert. Und Schuster verweist auch auf die ungeklärten Fragen bei der Verantwortlichkeit für die Bewältigung der langfristigen Folgen und ihrer Kosten.

Große Hoffnungen verbinden Land und Kommunen mit der Entwicklung der Tagebau-Folgelandschaft zu einem Seenland zwischen Brandenburg und Sachsen. Begann die Erschließung 1975 mit der Entwässerung der künftigen Grube, so soll nun das Wasser wieder zurückkehren. Ab 2018 wird das Restloch geflutet, zudem soll Wasser aus der Spree zugeleitet werden. Zwischen 2024 und spätestens 2030 wird der »Ostsee« entstehen, mit 1900 Hektar der größte See in Brandenburg. Bevor hier aber ein Bade- und Surferparadies entsteht, müssen die Planer Fragen beantworten - nach dem Schutz von Bürgern und Umwelt, erst dann nach den wirtschaftlichen Perspektiven.

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