IS halbiert offenbar Sold seiner Kämpfer

Aktivisten: Dschihadisten in Syrien und im Irak erhalten künftig 200 Dollar / CNN zeigt Video eines US-Angriffs auf Geldspeicher in Mossul / Tod von »Dschihadi John« bestätigt

  • Lesedauer: 3 Min.
Der IS musste in in der letzten Zeit eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen. Nun müssen die Dschihadisten wohl Zahlungen an ihre Kämpfer kürzen. Und einer berüchtigsten Kämpfer wurde getötet, bestätigt die Terrormiliz.

Beirut. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) will nach Angaben von Aktivisten die monatlichen Zahlungen an ihre Anhänger im Irak und in Syrien drastisch kürzen. Der Sold werde auf rund 200 Dollar (183 Euro) halbiert, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (englischsprachige Website) am Dienstag. Sie veröffentlichte ein mutmaßliches Schreiben der IS-Führung, die sich darin auf »außergewöhnliche Umstände« beruft.

Von dieser Entscheidung werde niemand ausgenommen, hieß es in der Erklärung weiter. An den zwei Lebensmittellieferungen pro Monat werde aber festgehalten. Nach Angaben der Beobachtungsstelle erhielten ausländische IS-Kämpfer in Syrien bislang 800 Dollar, auch dieser Betrag werde nun halbiert. Die in Großbritannien ansässige Organisation beruft sich auf ein dichtes Netz von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Die US-geführte Koalition griff zuletzt gezielt vom IS kontrollierte Ölfelder in Syrien und im Irak an. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sind eine der wichtigsten Finanzquellen für die Extremisten. Außerdem veröffentlichte der US-Sender CNN in der vergangenen Woche ein Video, das einen Angriff auf ein Geldlager des Islamischen Staates (IS) im irakischen Mossul zeigen soll. Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte zuvor von einem solchen Angriff berichtet. Wie viel Geld sich genau in dem Lager befand, verriet das Pentagon aber nicht. In der tonlosen Videosequenz ist die Bombardierung eines Gebäudes zu sehen, nach der eine Wolke kleiner Fetzen durch die Luft gewirbelt wird, bei denen es sich um Geldscheinreste handeln könnte.

»Es war ein guter Angriff. Wir schätzen, dass er IS um Millionen von Dollar beraubt hat«, hatte General Lloyd Austin am Donnerstag bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Ashton Carter gesagt. ISIL ist eine andere Bezeichnung für die Terrormiliz. Es sei nicht der erste Angriff dieser Art gewesen, sagte Austin. »Wir haben in den vergangenen Monaten mehrere andere Geldlager bombardiert.«

Unterdessen hat der IS den Tod des aus Enthauptungsvideos berüchtigten Mörders »Dschihadi John« bestätigt. Eine Drohne habe am 12. November in der ostsyrischen Stadt Al-Rakka ein Auto getroffen und ihn getötet, heißt es in der am Dienstag im Internet verbreiteten Ausgabe des Propagandamagazins »Dabiq«. Ein Sprecher des US-Pentagons hatte damals einen Tag nach dem Angriff erklärt, »Dschihadi John« sei so gut wie sicher tot. Eine letzte Bestätigung fehlt bisher jedoch noch.

»Dschihadi John« war eine der bekanntesten Figuren der sunnitischen Extremistengruppe. Der aus Kuwait stammende Extremist mit bürgerlichem Namen Mohammed Emwasi war erstmals im Enthauptungsvideo des US-Journalisten James Foley im August 2014 aufgetaucht. Emwasi war an weiteren Enthauptungen beteiligt. Der Mann trat in den IS-Videos stets vermummt auf und sprach Englisch mit Londoner Akzent. Agenturen/nd

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