Die letzte Adresse

Russlands Stolpersteine

  • Gerd Kaiser, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.

Vor zwei Jahren startete in Russland das Projekt »Posledny adres« (Die letzte Adresse). Es ähnelt der Aktion »Stolpersteine« hierzulande. Allerdings werden die Erinnerungsmale an zur Zeit Stalinscher Herrschaft gewaltsam zu Tode gekommene Menschen dort nicht in das Straßenpflaster eingelassen, sondern an die Außenfront des Wohnhauses angebracht, in dem die Betroffenen vor ihrer Verhaftung und Erschießung bzw. ihrer Verbannung in einen Gulag gelebt haben. Auf den Gedenktafeln sind den Namen knappe biografische Angaben beigefügt; im Internet finden sich weiterführende erklärende Texte (siehe unter: www.poslednyadres.ru).

Zum diesjährigen »Tag der Erinnerung an die Opfer der politischen Verfolgung« in der ehemaligen Sowjetunion, dem 30. Oktober, ist jetzt beispielsweise in Moskau an einem Haus im 5.-Donskoj Prospekt eine Tafel für Ewald Ripperger angebracht worden, der hier mit seiner Frau Auguste und dem gemeinsamen Sohn Rolf wohnte. Der Metallarbeiter aus dem thüringischen Albrechts bei Suhl war in die Sowjetunion gereist, um dort am Aufbau des Sozialismus mitzuwirken. Er arbeitete im Werkzeugmaschinenwerk Ordshonikidse, bevor er unter falschen Anschuldigungen verhaftet wurde. Ewald Ripperger wurde am 28. Mai 1938 von einem NKWD-Exekutionskommando erschossenen.

Vorbereitet werden derzeit Erinnerungstafeln für 13 weitere deutsche, ungarische und russische Arbeiter der Werkzeugmaschinenwerk Ordshonikidse, deren letzte Adresse ebenfalls das betriebseigene Wohnhaus am 5.-Donskoj Prospekt gewesen ist.

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