Risikodiplom

Patricia Espinosa ist Chefin des 
UN-Klimasekretariats

  • Von Christian Mihatsch, Marrakesch
  • Lesedauer: 2 Min.

Patricia Espinosa hat keinen einfachen Job: Seit Juli ist sie Chefin des UN-Klimasekretariats. In dieser Funktion muss die 57-jährige mexikanische Diplomatin die Länder der Welt dazu bewegen, das Paris-Abkommen umzusetzen.

Diplomatisches Geschick kann man ihr nicht absprechen. Es war das Jahr 2010, als sie als damalige Außenministerin Mexikos Präsidentin der UN-Klimakonferenz in Cancún wurde. Im Jahr zuvor hatte die internationale Klimapolitik ihren Tiefpunkt erreicht: In Kopenhagen konnten sich die Länder nicht mal auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen. In Cancún drohte erneut ein Debakel. In dieser Situation zeigte Espinosa Mut zum Risiko: Sie legte einen eigenen Textvorschlag vor, mit dem die Länder sich am Ende erstmals auf das Zwei-Grad-Ziel verpflichteten. »Espinosa hat alles auf eine Karte gesetzt, aber am Schluss ist es gut gegangen«, kommentiert der damalige Chef der Schweizer Verhandlungsdelegation, Bruno Oberle, den Vorgang. Espinosa gilt in der Klimadiplomatie seitdem als Mutter des Zwei-Grad-Ziels.

In Marrakesch dagegen ist allen Beteiligten klar, die Klimaerwärmung muss auf »deutlich unter zwei Grad« begrenzt werden, wenn »katastrophale Auswirkungen« verhindert werden sollen. Die Ausgangslage ist also besser: »Kein Politiker oder Bürger, kein Geschäftsmann oder Investor kann bezweifeln, dass die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft die singuläre Entschlossenheit der Völkergemeinschaft ist«, sagte Espinosa zum Auftakt in Marrakesch.

Diese Entschlossenheit gilt es nun zu nutzen, um die unweigerlich auftretenden Differenzen zu überbrücken. Das erfordert nicht nur Mut, sondern auch Fingerspitzengefühl und Sprachkenntnisse: Espinosa spricht nicht nur Spanisch und Englisch, sondern auch Deutsch. Sie ist auf die deutsche Schule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt gegangen. Außerdem war sie vor ihrer Rückkehr in die Klimapolitik mexikanische Botschafterin in Berlin. Der Wechsel ins Klimasekretariat in Bonn war so - zumindest geografisch - nur ein kleiner Schritt.

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