Rückkehrer

Personalie

  • Christian Baron
  • Lesedauer: 2 Min.

Wenn ein Flüchtling oder ein Migrant öffentlich dafür gelobt wird, wie gut er doch in Deutschland integriert sei, dann steckt dahinter in aller Regel eine List. Dem so Umgarnten schmeichelt das Kompliment und der Lobende kann sich als Menschenfreund tarnen, wo er doch in Wahrheit ein demokratischen Regeln widersprechendes Konzept bewahrt. Denn Integration funktioniert nur einseitig: Sie verlangt, dass ein Mensch sich in eine bestehende Ordnung fügt und oftmals seine Kultur, seine Werte, seine Vergangenheit verleugnet. Als Vorzeigemigranten gelten darum meist Menschen, deren Sehnsüchte sich mit feuchten Träumen herkömmlicher deutscher Personalchefs kompatibel zeigen: keine Brüche im Lebenslauf, Bausparvertrag, volles Bankkonto, eigenes Auto und vor allem: politisches Einverstandensein.

Wer dagegen verstößt, spürt die Knute des Gesetzes. Zum Beispiel der afghanische Künstler Ahmad Shakib Pouya: 2011 war er nach Deutschland geflüchtet und brachte sich sofort künstlerisch ein. In Augsburg baute der Musiker und Schauspieler das Flüchtlingsprojekt »Grandhotel Cosmopolis« mit auf, spielte in München die Hauptrolle in »Zaide - Eine Flucht«, das der Verein »Zuflucht Kultur« auf der Grundlage eines Singspiels von Mozart entwickelte.

Verstünden die deutschen Behörden unter Integration auch diese monetär nicht messbare Form der Bereicherung einer Gesellschaft, sie hätten Pouya nicht im Januar seine Abschiebung angekündigt. Um der in diesem Fall in Kraft tretenden Wiedereinreisesperre zu entgehen, verließ der gelernte Arzt das Land in Richtung Kabul. Im Februar sagte er gegenüber »Spiegel Online«, er wollte zurück nach Deutschland: »Dort habe ich mir ein neues Leben aufgebaut, dort habe ich meine Frau, Freunde, Kollegen, Arbeit und Sicherheit. Hier habe ich nichts.«

Das Münchner Kinder- und Jugendtheater »Schauburg« ermöglicht ihm jetzt die vorläufige Rückkehr: Die Rolle des Ali in einer Neuproduktion von Fassbinders »Angst essen Seele auf« sichert Pouya ein Arbeitsvisum. Von einem dauerhaften Bleiberecht ist er aber noch weit entfernt.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal