Amerikas »First Daughter«

Für US-Präsident Trump spielt Tochter Ivanka in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle. Von Maria Jordan

Für viele Liberale ist sie ein Hoffnungsschimmer. Die Lieblingstochter des US-Präsidenten Donald Trump soll einen mäßigenden Einfluss auf ihren hitzköpfigen Vater ausüben, für den sie inzwischen als offizielle Beraterin im Weißen Haus arbeitet. Bisher weiß allerdings niemand, ob und inwiefern Ivanka ihren mächtigen Vater in politischen Angelegenheiten tatsächlich beeinflusst; Regierungserfahrung hat sie keine. Obwohl derzeit medial höchst präsent, agiert die Präsidententochter im Hintergrund. Ihre politischen Errungenschaften sind bisher nur vom Hörensagen bekannt. So soll Ivanka ihren Vater dazu gebracht haben, den bezahlten Mutterschutz in den Wahlkampf aufzunehmen. Beweise gibt es dafür allerdings keine, bisher hat auch Trump dieses Versprechen nicht in die Tat umgesetzt.

Doch die 35-Jährige ist mehr als nur Präsidententochter. Neben dem Staatsposten, den sie neuerdings bekleidet, vermarktet sie unter ihrem Namen Mode und Schmuck sowie eine Lifestyle-Website. Während ihres Wirtschaftsstudiums arbeitete sie als Model für berühmte Modemacher, später stieg sie in die »Trump Organization« ein, den Konzern ihres Vaters. Nachdem dieser seine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2016 angekündigt hatte, übernahmen Tochter Ivanka und ihre beiden Brüder Don und Eric zunächst die operativen Geschäfte des Konzerns. Als Ivanka Anfang dieses Jahres ihrem Vater nach Washington folgte, verließ sie die »Trump Organization«. Ihr eigenes Unternehmen führt sie jedoch weiter. Kürzlich erhielt sie von den chinesischen Behörden für drei ihrer Produktlinien die Markenrechte - nur einen Tag nach dem Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jingping auf dem Anwesen der Trumps.

Trumps Tochter aus erster Ehe ist nicht das einzige Familienmitglied, das von der Vetternwirtschaft des neuen US-Präsidenten profitiert. Auch Ivankas Ehemann, Jared Kushner, für den sie 2009 zum Judentum übergetreten ist, arbeitet für den Schwiegervater im Weißen Haus. Trump hält offenbar große Stücke auf seinen Schwiegersohn und betraut ihn daher mit einer Vielzahl bedeutender Aufgaben. So ist der Sohn des Immobillienmagnaten Charles Kushner nicht nur Teil von Trumps Beraterteam, er soll auch das Innovationsbüro leiten, die Versorgung der US-Kriegsveteranen reformieren, Drogenmissbrauch bekämpfen sowie die gesamte Bundesbürokratie neu organisieren. Damit nicht genug ist der jüdisch-orthodoxe Kushner, dessen Familie gute Beziehungen zu Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat, auch für die Befriedung des Nahen Ostens zuständig. Wodurch sich der 36-Jährige für seine unzähligen Ämter und Zuständigkeiten qualifiziert, bleibt wie bei Unternehmertochter Ivanka, unklar. In der Öffentlichkeit zeigt sich Kushner ebenso zurückhaltend wie seine Ehefrau.

Ende April bestieg Ivanka Trump dann doch die große politische Bühne. Beim W20-Frauengipfel in Berlin war die Hoffnung groß, endlich mehr über Ivanka und ihre politische Einstellung zu erfahren. Doch wieder hielt sie sich bedeckt, sagte, sie sei zum »Zuhören« und »Lernen« gekommen. Konkreter antwortete sie nicht auf die Frage, in welcher Funktion sie hier sei - als Beraterin des Präsidenten, Vertreterin des amerikanischen Volkes oder als Unternehmerin. Nur letzteres negierte sie.

Bei dem Frauengipfel, an dem unter anderem auch die niederländische Königin Maxima, IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahmen, verteidigte Ivanka Trump ihren Vater, der wegen seiner sexistischen Sprüche schon mehr als einmal negative Schlagzeilen gemacht hatte. Donald Trump sei »überzeugt, dass Frauen das Potenzial besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen«, sagte sie. Das würden die zahlreichen weiblichen Angestellten in seinen Unternehmen beweisen. Auch sie sei von ihrem Vater immer unterstützt worden. Tatsächlich zeigt Trump bei jeder Gelegenheit, wie stolz er auf Ivanka ist. Teilweise sind seine Komplimente an die Tochter jedoch befremdlich - in einer Talkshow sagte er über sie, er würde mit ihr ausgehen, wenn sie nicht seine Tochter wäre.

Sich selbst bezeichnet die 35-Jährige als Feministin. Dies will sie auch in ihrem kürzlich erschienenen Buch »Women Who Work« unter Beweis stellen, in dem die dreifache Mutter Frauen Ratschläge gibt, wie man Karriere und Familie unter einen Hut bekommt. Als Tochter eines Milliardärs, die mit ihrem Ehemann über ein Vermögen von 760 Millionen Dollar verfügt und Angestellte für ihre Hausarbeit hat, entspricht Ivanka Trump jedoch nicht gerade dem Durchschnitt der berufstätigen Frauen. Ihr wird daher oft unterstellt, einen Pseudofeminismus zu vertreten.

Ansonsten macht sich Ivanka Trump keine Feinde, denn durch ihre Vagheit bietet sie wenig Angriffsfläche. Und so wird sie nach dem bewertet, was sie im Gegensatz zu ihrem Vater nicht tut: Sie schreit nicht, sie wütet nicht, sie beleidigt nicht. Stattdessen ist sie kontrolliert, professionell und eloquent. Donald Trump hat sich mit seiner Tochter ein hervorragendes Aushängeschild für seine Präsidentschaft gesucht. Sie bügelt seine Rohheiten aus, ist stets bedacht, ihren Vater in ein gutes Licht zu rücken und spielt die Rolle, die er ihr zugeschrieben hat, perfekt. Ivanka ist ein wahres Papa-Kind.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung