Thüringen: Mehr Zulauf bei Rechtsrock

Gegner warnen vor großem Konzert in Hildburghausen

Zum sogenannten Eichsfeldtag am vergangenen Wochenende kamen in diesem Jahr deutlich mehr Rechtsextreme als 2016. Nach Angaben der »Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie - gegen Rechtsextremismus« (Mobit) reisten zu jenem Rechtsrock-Festival etwa 450 Neonazis nach Leinefeld in Nordthüringen. Im vergangenen Jahr seien es etwa 280 gewesen. In diesem Jahr hätten sich etwa 130 Gegendemonstranten eingefunden. Zu wenige, wie Mobit-Sprecher Stefan Heerdegen sagte.

Anders als während des rechtsextremen Aufmarschs in Gera zum 1. Mai sei der Protest gegen die Rechtsextremen in Leinefelde ausschließlich den Menschen vor Ort überlassen worden, sagte Heerdegen. Da der Eichsfeldtag aber für die Neonazi-Szene auch über Thüringen hinaus eine große Bedeutung habe, dürfe es nicht sein, dass Vereine und Verbände vor Ort mit ihrem Protest alleine gelassen würden. Der Eichsfeldtag ist gilt seit Längerem als die erste Großveranstaltung der rechtsextremen Festivalsaison im Jahr.

Der Anstieg der Besucherzahlen zum Eichsfeldtag lässt mit Blick auf die rechtsextremen Festivals, die für die kommenden Monate in Thüringen geplant sind, nichts Gutes erwarten - darunter wohl auch eine Neuauflage des Rechtsrock-Konzerts in der Region Hildburghausen, das sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten seiner Art in Deutschland und Europa entwickelt hat. Im Sommer 2016 waren zu diesem Konzert nach Angaben der Polizei etwa 3500 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet sowie einigen europäischen Ländern gekommen. Im Jahr zuvor waren es etwa 1500. In beiden Jahren hatten die Behörden nicht mit dem jeweiligen Besucheransturm gerechnet.

Die LINKE-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss, die sich seit Langem im Kampf gegen Rechtsextremismus engagiert, warnte schon im März, künftig könnten noch mehr Rechtsextreme zu dem Konzert nach Hildburghausen kommen. Ein Grund dafür sei, dass die Veranstalter nach ihren Informationen die gleichen seien, die es geschafft hätten, im Herbst 2016 etwa 5000 bis 6000 Neonazis in der Schweiz zu versammeln. Zudem werde das Konzert auf der internationalen Webseite des rechtsextremen Blood-and-Honour-Netzwerks beworben. Die Gruppierung ist in Deutschland verboten. »Wenn Hildburghausen nicht zur europaweiten Wohlfühloase der extremen Rechten werden soll, sind jetzt der Bürgermeister und der Landrat gefragt, alle Hebel dagegen in Bewegung zu setzen und gemeinsam mit der Zivilgesellschaft dem braunen Spuk entgegenzutreten«, hatte König gesagt.

Schon in der Vergangenheit hatte es massive Kritik unter anderem am Landratsamt Hildburghausen gegeben, dieses habe nicht entschieden genug versucht, die Konzerte zu verhindern. Landrat Thomas Müller (CDU) hatte solche Vorhaltungen unter anderem mit Verweis auf das Versammlungsrecht stets zurückgewiesen.

Die Rechtsrock-Konzerte sind schon deshalb so gefährlich, weil sie nach Einschätzung unter anderem von Sozialwissenschaftlern ganz entscheidend dafür sind, rechte Ideologien an junge Menschen zu vermitteln. Auch sind sie eine wichtige Einnahmequelle der Szene. Und es kommt im Umfeld der Festivals immer wieder zu Übergriffen von Neonazis: Im Eichsfeld war es nach Angaben der Polizei am Samstagsabend in einem Zug von Leinefelde nach Nordhausen zu einem Angriff auf zwei Iraker gekommen. Die mutmaßlichen Täter stammten aus dem rechten Spektrum.

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