Die Königsclique spielt verrückt
Roland Etzel zu Saudi-Arabiens Forderungen an Katar
In seiner angemaßten Rolle als regionaler Zuchtmeister hat Saudi-Arabien am Wochenende eine weitere Eskalationsstufe erklommen. Zehn Tage Zeit hat die Königsclique dem Staat Katar eingeräumt, um die verordneten 13 Strafkapitel abzuarbeiten. Jedes einzelne davon ist für ein souveränes Land unannehmbar, im ganzen gesehen läuft es auf nicht weniger hinaus als das Verlangen nach bedingungsloser Kapitulation.
Der mit wirtschaftlicher Abschnürung bewehrte Druck nach sofortiger Schließung des meistgesehenen Fernsehsenders der arabischen Welt und anderer Medien - allein das erfüllt den Tatbestand schwerer Verletzungen der UN-Charta. Man darf sich angesichts dessen schon ein wenig wundern, dass die sonst immer sehr schnellen Verkünder »roter Linien« in Paris und Washington dies nicht zu bemerken gewillt sind.
Saudi-Arabien spielt seit fünf Jahren verrückt, mit einem verdeckten Krieg in Syrien und einem offenen gegen Jemen - bisher völlig ungestraft. Trumps Säbeltanz mit den mittelalterlichen Despoten in Riad vor ein paar Wochen scheinen diese als Kaperbrief für die gesamte Region aufgefasst zu haben. König Salman droht nun unverhohlen mit einem dritten Krieg, letztlich zur Rettung des eigenen morbiden Staates. Tatenlosigkeit des Restes der Welt ist angesichts dessen nicht länger angebracht.
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