Ex-SPD-Chef: Hartz hat uns dauerhaft Stimmen gekostet

Sozialdemokraten büßten wegen der Agenda 2010 viel Vertrauen ein / Gerechtigkeit sei das richtige Wahlkampfthema

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Die umstrittenen Sozialreformen der Agenda 2010 haben die SPD nach Einschätzung des Ex-Parteichefs Björn Engholm auf Dauer viel Vertrauen und auch massiv Wählerstimmen gekostet. »Ich denke, sechs bis neun Prozent unserer Stammwähler sind in das Lager der Nichtwähler und zur LINKEN abgewandert. Diese Enttäuschten zurückzuholen ist außerordentlich schwer«, sagte der 77-Jährige der »Heilbronner Stimme« (Freitag).

Er habe den Frust über die Absenkung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau damals erlebt, bei der Schließung von Werften, sagte Engholm, der von 1991 bis '93 SPD-Chef war. »Stolze Werftarbeiter zahlen ihr Leben lang ein und stehen plötzlich mit 56 Jahren als Sozialhilfeempfänger im Abseits. Das haben sie uns auch nicht verziehen.«

Seiner Partei rät er, auf das Thema Gerechtigkeit zu setzen. »Einkommen und Vermögen, Bildungs- und Aufstiegschancen sind so ungleich verteilt, dass es nach neuen Antworten schreit.« Dies müsse die SPD angehen, auch um den Preis, »nicht sofort den ersten Platz bei einer Wahl zu erringen«.

Zu den Chancen seiner Partei bei der Bundestagswahl am 24. September sagte er: »Ich denke, die SPD kann noch die 30-Prozent-Marke erreichen. Die CDU hat aber den Vorteil, dass sie vier Koalitionsoptionen hat. Die SPD hat nur zwei, ein Bündnis mit Union oder mit den Grünen.« dpa/nd

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal