Klare Kante gegen AfD-Werbung

Bürgermeister von Ebstorf in Niedersachsen erklärt in einem öffentlichen Brief, warum er ein Wahlplakat der Rechtsaußenpartei entfernt hat

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Wahlplakate der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) empfinden viele Menschen in Deutschland als beleidigend. Die Sprüche übertreffen sich in rassistischen Anspielungen wie »Burkas? Wir stehen auf Bikini‘s« oder: »Neue Deutsche? Machen wir selber«. Bilder von Mädchen in Bikinis und einer »biodeutsch« aussehenden schwangeren Frau machen die einfachen Botschaften komplett.

Heiko Senking, Bürgermeister des niedersächsischen Ebstorf (bei Uelzen), ging seinem Gefühl der Unerträglichkeit dieser Wahlplakate nach. Am Donnerstag hängte er ein Plakat mit dem Spruch zu den »neuen Deutschen« ab. Senking ist Vorsitzender des Sportvereins TuS Ebstorf, das Plakat, was er entfernte, hing genau vor den Toren der Geschäftsstelle des Vereins.

Senking will sich nicht verstecken: Kurz nach seiner Abhäng-Aktion veröffentlichte er auf seinem Facebookprofil einen Text, in welchem er seine Tat schilderte und begründete.

Das Schreiben ist direkt an die AfD gerichtet, gleich zu Anfang informiert Senking: »Gerne können sie rechtliche Schritte gegen mich einleiten, allerdings habe ich mich bereits dahingehend heute selber angezeigt.« Im folgenden erklärt er, dass in seinem Sportverein Menschen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen und sexuellen Ausrichtungen zusammen trainieren. »Es war für mich als erster Vorsitzender des TuS Ebstorf unerträglich, dass meine Mitglieder, die wie vorgenannt, in jeglicher Hinsicht kunterbunt gemischt sind, an diesem Schild vorbei in die Geschäftsstelle gehen mussten. Meiner Meinung ist das eine gezielte Provokation, die ich nun abgestellt habe«, beendet er seinen kurzen Brief.

Bis zum Freitagmorgen wurde der Text auf Facebook mehr als 19.000 Mal weiter verbreitet und mehr als 120.000 Mal mit »Gefällt mir« markiert. Direkt unter dem Beitrag diskutieren Menschen leidenschaftlich, was von der Aktion zu halten ist. Während die Mehrheit der Kommentatoren ihn für diese Aktion beglückwünscht und sich bei Senking bedankt, gibt es auch Stimmen, die kein Verständnis zeigen und in die andere Richtung schlagen. So schreibt ein Nutzer etwa: »Bin kein AfD Freund aber das ist undemokratisch! Ich hänge Plakate der MLPD oder der Linken auch nicht ab. Unmögliche Aktion. Fetter Daumen runter«. Ein anderer Nutzer zeigt sich von der Spaltung zwischen rechts und links genervt und schreibt: »Dieses Rumgeheule von beiden Seiten geht mir langsam auf den Sack. Bin froh, wenn die Scheißwahlen vorbei sind«. Derzeit finden sich mehr als 12.000 Kommentare unter Senkings Beitrag, die Diskussion fängt gerade erst an.

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