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Naim Süleymanoğlu

23. 1. 1967 - 18. 11. 2017

Als Gewichtheber Naim Süleymanoğlu 1982 den ersten seiner insgesamt 46 Weltrekorde aufstellte, trug er noch den Heberanzug der Volksrepublik Bulgarien. Auf der Anzeigetafel stand Naum Sulejmanow - jener Name, unter dem er als Angehöriger der türkischen Minderheit in Bulgarien zur Welt gekommen war. Im Zuge einer Bulgarisierungskampagne wurde er 1985 zu Naum Schalamanow. Unter diesem Namen trug er sich in die Siegerliste der WM 1986 ein, doch schon auf der folgenden Wettkampfreise setzte er sich in Australien gen Türkei ab.

Die Türken liebten ihn, er wurde einer ihrer größten Sporthelden: Als Naim Süleymanoğlu gewann er 1988, 1992 und 1996 jeweils Olympiagold. Sechs Mal wurde er Weltmeister, sieben Mal Europameister. »Cep-Herkülü« nannten sie den nur 1,47 Meter großen Athleten: Taschen-Herkules. Der kleine Gigant war ein Star und mehrfacher Millionär, der sich auch in der Politik versuchte. 2004 und 2007 kandidierte er für die rechtsextreme MHP - erfolglos.

Vor acht Wochen kam Süleymanoğlu ins Krankenhaus: Leberzirrhose. Einer Transplantation folgten Komplikationen, denen Süleymanoğlu schließlich erlag. Zu seinem Begräbnis am Sonntag in Istanbul kamen Tausende, unter ihnen Premierminister Binali Yildirim. jig

José Manuel Maza

23. 10. 1951 – 18. 11. 2017

So richtig rund läuft Mariano Rajoys Feldzug gegen die katalanischen Separatisten nicht. Belgiens Justiz zögert mit der Auslieferung von Kataloniens abgesetztem Präsidenten Carles Puigdemont und nun ist José Manuel Maza überraschend in Buenos Aires an einer Infektion verstorben. Der Generalstaatsanwalt hatte dort an einer Juristenkonferenz teilgenommen und war mit einer akuten Niereninfektion in ein Krankenhaus in Buenos Aires eingeliefert worden. Der 66-Jährige hatte maßgeblich die Anklagen gegen katalanische Anführer der Unabhängigkeitsbewegung vorangetrieben.

Nicht ganz so konsequent, um nicht zu sagen, gar nicht, bemühte er sich um das Vorantreiben der Korruptionsprozesse gegen Politiker der konservativen Volkspartei (PP), der auch Ministerpräsident Mariano Rajoy angehört. So wurde er in Katalonien zur Symbolfigur für das Messen der spanischen Justiz mit zweierlei Maßstab: PP-Politiker, denen die Veruntreuung von Millionen vorgeworfen werde, blieben auf freiem Fuß, während katalanische Politiker, die ein demokratischeres Politikmodell anstrebten, hinter Gitter kämen. mli

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