Mnangagwa als neuer Präsident vereidigt

Ende der Ära Mugabe in Simbabwe nach 37 Jahren Herrschaft besiegelt

  • Von Susan Njanji, Harare
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit dem Amtsantritt von Emmerson Mnangagwa verknüpfen viele Simbabwer die Hoffnung auf mehr Freiheit nach Jahrzehnten der Autokratie unter Robert Mugabe. Doch wird der 75-Jährige auch für brutale Unterdrückungsmethoden in seiner Zeit als Minister verantwortlich gemacht. In seiner Rede nach der Vereidigung kündigte der neue Staatschef an, die unter Mugabe enteigneten weißen Farmer zu entschädigen. Im Jahr 2000 hatte eine Kampagne begonnen, in deren Folge mehr als 4000 der 4500 weißen Farmer des Landes enteignet wurden. Offiziell sollten damit aus der Kolonialzeit resultierende Ungerechtigkeiten beendet werden. Doch profitierten vor allem Mugabe-Anhänger von der Umverteilung. Die landwirtschaftliche Produktion brach zusammen. Mnangagwa sagte in seiner Antrittsrede im Nationalstadion in der Hauptstadt Harare Armut und Korruption im Land den Kampf an. Seinen umstrittenen Vorgänger würdigte er als »Vater der Nation«. Der heute 93-Jährige habe einen »immensen Beitrag zum Aufbau unserer Nation« geleistet. Mugabe selbst war nicht anwesend. Er sei dazu nicht in der Verfassung gewesen, sagte sein Sprecher George Charamba.

Seit dem frühen Morgen waren die Menschen zum Stadion geströmt, um ihren neuen Staatschef zu feiern. »Wir sind sehr begeistert, und wir erwarten viel von Mnangagwa«, sagte etwa die 23-jährige Sharon Mauyakufa. »Wir haben so lange in einer Diktatur gelebt.« Auf Schildern stand geschrieben: »Dank an unsere Soldaten« und »Das Volk hat gesprochen«. Der 21-jährige Archiford Gwandiziva sagte, er hoffe auf Veränderungen. »Ich hoffe, dass wir die Meinungsfreiheit zurückbekommen, die wir unter Mugabe verloren hatten.«

Mugabe war erst am Dienstag unter massivem Druck zurückgetreten. Er hatte Simbabwe seit der Unabhängigkeit 1980 mit harter Hand und zunehmend autokratisch regiert. Mit seinem Rücktritt kam er einer Amtsenthebung durch das Parlament zuvor. Die Armee hatte ihn entmachtet und unter Hausarrest gestellt, nachdem der greise Präsident seinen Stellvertreter Mnangagwa entlassen hatte, um seine Frau Grace zu seiner designierten Nachfolgerin zu machen.

Das Schicksal der Mugabes ist noch unklar, vor allem auf juristischer Ebene. Einer seiner Minister, Supa Mandiwanzira, erklärte, die Simbabwer wollten auf keinen Fall, dass das Ehepaar vor Gericht gebracht oder gar »gelyncht« werde. Sein Sprecher Charamba dementierte Medienberichte, wonach Mugabe Immunität zugesichert werden solle. Dafür gebe es keinen Grund.

Mnangagwa, der sich nach seiner Entlassung als Vizepräsident nach Südafrika abgesetzt hatte, war am Mittwoch nach Harare zurückgekehrt. Vor Hunderten Anhängern versprach er seinen Landsleuten eine »vollständige Demokratie« und beschwor den Zusammenhalt der Bevölkerung. Er wolle die Ankurbelung der am Boden liegenden Wirtschaft zur Priorität machen. Die Arbeitslosigkeit in Simbabwe wird auf 90 Prozent geschätzt.

Die wichtigste Oppositionspartei MDC sprach sich für eine Regierung der nationalen Einheit aus, die bis zu den für 2018 geplanten Wahlen im Amt sein solle. »Ich hoffe, dass er nicht der Versuchung nachgeben wird, die Macht für sich allein zu behalten«, sagte Oppositionsführer Morgan Tsvangirai am Donnerstag. Mnangagwa, wie Mugabe ein früherer Kämpfer gegen die britische Kolonialherrschaft, war jahrzehntelang sein treuer Gehilfe. Er war u.a. Finanz- und Verteidigungsminister und wird für brutale Unterdrückungsmethoden verantwortlich gemacht. Seine Skrupellosigkeit brachte ihm den Spitznamen »Krokodil« ein. Mnangagwa unterhält auch enge Beziehungen zum Militär. AFP

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