Auch Russlands Fahnenträger ist nun gesperrt

Das IOC straft den Doppelolympiasieger von 2014, Alexander Subkow, ab. Der beliebte Bobpilot ist heute Präsident des Nationalverbandes

  • Von Jörg Mebus und Thomas Weitekamp, Lausanne
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Internationale Olympische Komitee hat im Dopingskandal zum nächsten Schlag ausgeholt und nun auch die Symbolfigur des russischen Wintersports zu Fall gebracht. Der frühere Bobpilot Alexander Subkow, zweifacher Olympiasieger von 2014 und amtierender Präsident des nationalen Schlittenverbandes, wird lebenslang für Olympia gesperrt. Der 43-Jährige muss zudem seine bei den Winterspielen in Sotschi errungenen Goldmedaillen zurückgeben. Eine Urteilsbegründung gab es zunächst nicht.

Keine zwei Wochen vor der Strafverkündung des IOC gegen Russland im Staatsdopingskandal gab der Ringeorden am Freitagnachmittag auch die Strafen gegen drei weitere russische Olympiateilnehmer bekannt. Die Eisschnellläuferin Olga Fatkulina, in Sotschi Zweite im 500-Meter-Sprint, sowie Eisschnellläufer Alexander Rumjanzew (11. über 5000 Meter) und Bobpilotin Olga Stulnewa (9.) wurden lebenslang gesperrt.

Vor allem die Entscheidung gegen Subkow dürfte die stolze Wintersportnation ins Herz treffen. Der Doppelolympiasieger, Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier, war in Sotschi zum Volkshelden geworden und hatte seine Karriere noch im selben Jahr beendet.

Im Sommer 2016 wurde er in das höchste Amt im russischen Bobsport gewählt - obwohl die Dopinganschuldigungen längst öffentlich geworden waren. Im Zuge des Skandals gehörte Subkow zu Russlands Sprachrohren, wies die Vorwürfe stets zurück und sprach von »Verleumdung«. Subkows Olympia-Anschieber Dimitri Trunenkow ist derzeit wegen eines anderen Dopingvergehens bereits gesperrt.

Zudem verliert das Riesenreich durch die Strafe gegen Subkow auch Platz eins im Medaillenspiegel der Spiele 2014. Der Gastgeber kommt nur noch auf neun Goldmedaillen, Norwegen (11) und Kanada (10) ziehen vorbei. Im Skeleton war unter anderem bereits Sotschi-Olympiasieger Alexander Tretjakow lebenslang gesperrt worden, auch dem 32-Jährigen wurde die Medaille aberkannt. Zuvor hatte das IOC Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow und dessen Teamkollege Jewgenj Below in allen Funktionen für Olympia aus dem Verkehr gezogen. Die IOC-Kommission von Exekutivmitglied Denis Oswald, die für die Sanktionierung der im McLaren-Bericht genannten 28 verdächtigen russischen Sotschi-Starter (darunter zwölf Medaillengewinner) zuständig ist, greift derzeit hart durch.

Deutsche Sportler rücken durch die Disqualifikationen nicht auf Medaillenränge vor. Neue Bob-Olympiasieger sind vorbehaltlich der Bestätigung der Nachrücker durch das IOC die Teams des Schweizers Beat Hefti (Zweier) und des Letten Oskars Melbardis im Vierer.

Die Oswald-Kommission, die die verdächtigen russischen Sotschi-Starter entweder persönlich in Lausanne oder per Videokonferenz befragt, veröffentlicht derzeit der Reihe nach ihre weiteren Sanktionen. Anlass der Untersuchungen waren zwei Berichte des kanadischen Rechtsprofessors Richard McLaren, der Russland staatlich orchestriertes Doping nachgewiesen hat. Mehr als 1000 russische Athleten sollen insgesamt profitiert haben. In Sotschi sollen russische Dopingproben mithilfe des Geheimdienstes manipuliert worden sein.

Die zweite IOC-Kommission unter der Leitung des ehemaligen Schweizer Spitzenpolitikers Samuel Schmid befasst sich mit der Frage der Mitwisserschaft russischer Politiker und Behörden. Auf Basis ihrer Einschätzung will die IOC-Exekutive unter dem deutschen Präsidenten Thomas Bach am 5. Dezember eine übergreifende Strafe verhängen. Zuletzt hatte die »New York Times« berichtet, das IOC erwäge unter anderem ein Verbot der russischen Hymne bei den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) und einen Ausschluss der Russen von der Eröffnungsfeier. SID

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