Werbung
  • Sport
  • 66. Vierschanzentournee

Auf den Spuren von Sven Hannawald

Richard Freitag springt bei der Tournee doppelt aufs Podest, doch Titelverteidiger Kamil Stoch ist noch stärker

  • Von Lars Becker, Garmisch-Partenkirchen
  • Lesedauer: 3 Min.

Richard Freitag durfte in der Führungsbox schon mal längere Zeit neben dem goldenen Adler stehen, den der Sieger der 66. Vierschanzentournee erhalten wird. Zwei Springer warteten beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen noch auf der Schanze, als starker Wind eine längere Pause erzwang. Freitag wurde von den 21 000 Zuschauern im Olympia-Skistadion in der Wartezeit schon wie ein Sieger gefeiert, doch dann kam Kamil Stoch. Mit eisernen Nerven holte sich Polens Titelverteidiger den Sieg vor Freitag. Der Erzgebirger klatschte anerkennend Beifall, doch das Duell ist bei Halbzeit noch längst nicht entschieden. Freitag geht mit 11,8 Punkten (6,55 Meter) Rückstand in die beiden Springen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar).

»Gratulation an Kamil. Ich bin sehr zufrieden mit den beiden Tourneespringen in Deutschland und werde in Österreich natürlich weiter angreifen«, sagte Freitag danach. Im Gepäck hat er die beiden ersten Podestplätze, die er bei den beiden Wettbewerben in der Heimat jemals erreichte. Und jetzt kommt eine seiner Lieblingsschanzen: In Innsbruck schaffte Richard Freitag 2015 nach zwölf Jahren wieder den ersten deutschen Tournee-Tagessieg. Es gibt also noch Hoffnung, dass 16 Jahre nach Sven Hannawald endlich mal wieder ein Deutscher den Grand Slam der Skispringer gewinnt.

Das sieht auch Bundestrainer Werner Schuster so: »Kamil Stoch ist in wirklich sehr, sehr guter Form, aber ich denke nicht, dass er in besserer Form als Richard Freitag ist. Es sind noch zwei Stationen und ich denke, dass Richard ihn aus eigener Kraft schlagen kann.«

Beim Sprung ins neue Jahr glückte das dem Gesamtweltcup-Spitzenreiter auch deshalb nicht, weil er in beiden Sprüngen die deutlich schlechteren Windverhältnisse als Stoch hatte. »Richard hat im zweiten Durchgang wirklich einen Supersprung gemacht, aber Stoch hatte wie schon in Oberstdorf ein glücklicheres Händchen mit dem Wind. Bekanntlich gleicht sich das ja irgendwann einmal aus«, analysierte Schuster. Auch Karl Geiger (7.), Stephan Leyhe (10.), Andreas Wellinger (11.) und Markus Eisenbichler (14.) schafften es beim Neujahrsspringen unter die Top 15. In der Gesamtwertung liegen Wellinger (7.), Eisenbichler (8.) und Geiger (10.) sogar in den Top Ten.

Dennoch ist es Richard Freitag, der eine neue Euphorie entfacht hat. Wie schon beim Auftakt in Oberstdorf wehten auch am Montag Tausende deutsche Fahnen, einige Fans hatten sich im Stile des Sachsen sogar Schnurrbärte über ihre Lippen geklebt. »Es war ein unglaubliches Bild von oben mit all den ganzen deutschen Fahnen«, schwärmte auch Karl Geiger, nachdem in dessen Heimatort Oberstdorf schon 25 500 Fans eine Party im strömenden Regen gefeiert hatten, als Stoch zum ersten Mal knapp vor Freitag gewann.

Der 30-jährige Pole hat in den kommenden zwei Stationen sogar die Chance, alle vier Tourneespringen zu gewinnen. Das schaffte in der Geschichte des Wettbewerbs seit 1953 nur Sven Hannawald beim letzten deutschen Gesamtsieg 2001/2002. Genau das könnte nun aber zum Problem für Stoch werden. »Spätestens in Innsbruck wird es unerträglich. Du willst nur noch, dass es endlich vorbei ist. Mit Skispringen hat das dann nicht mehr viel zu tun, da zählt nur noch, wie du mit dem Druck umgehst. Deshalb ist es so schwierig zu schaffen«, sagte Hannawald selbst dazu. Er glaubt vielmehr weiter an Freitags Chancen auf den Gesamtsieg hat.

In Garmisch-Partenkirchen platzten unterdessen die Träume von einigen internationalen Stars: Der dreimalige Schweizer Olympiasieger Simon Ammann verpasste genauso die Qualifikation wie das 45 Jahre alte Urgestein Noriaki Kasai aus Japan. Der in Oberstdorf noch vierplatzierte Doppelweltmeister Stefan Kraft (Österreich) scheiterte schließlich sensationell im ersten Durchgang und büßte damit alle Chancen ein. Somit ist vor den beiden Springen in der Heimat die Krise bei Österreichs Adlern komplett.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung