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  • Sexueller Missbrauch

»Nein, es war nicht mein Fehler«

Auch Olympiasiegerin Simone Biles wirft dem ehemaligem Teamarzt der US-Turnerinnen, Larry Nassar, sexuellen Missbrauch vor

  • Dominik Kortus, Los Angeles
  • Lesedauer: 3 Min.

Die viermalige Turnolympiasiegerin Simone Biles ist ebenfalls Opfer von sexuellem Missbrauch durch US-Teamarzt Larry Nassar geworden. Das erklärte die 20-Jährige in einem emotionalem Statement in den sozialen Medien. »Die meisten von euch kennen mich als glückliches, albernes und energiegeladenes Mädchen«, erklärte sie: »Aber zuletzt fühlte ich mich teilweise gebrochen. Und je mehr ich versucht habe, die Stimmen in meinem Kopf auszublenden, umso lauter haben sie geschrien. Ich habe keine Angst mehr, meine Geschichte zu erzählen. Auch ich bin eine der Überlebenden, die von Larry Nassar sexuell missbraucht wurden.«

Seit Monaten erschüttert der Skandal den Verband USA Gymnastics. Mehr als 100 Turnerinnen beschuldigen Nassar, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Darunter befinden sich auch die dreimalige Turnolympiasiegerin Gabby Douglas, deren Teamkollegin Aly Raisman oder die Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin McKayla Maroney.

Raisman sprang ihrer Teamkollegin nach deren Äußerungen umgehend bei. »Simone, du bist unglaublich. Wir werden diese Sache gemeinsam durchstehen, ich fühle mit dir«, schrieb sie.

Nassar, der fast drei Jahrzehnte und bei vier Olympischen Spielen für den US-Verband tätig war, muss sich derzeit wegen der sexuellen Übergriffe vor Gericht verantworten. Teilweise waren die Opfer jünger als 13 Jahre. In einer Stellungnahme des Verbandes hieß es, die Herzen aller seien gebrochen: »Wir sind wütend über die schrecklichen Taten von Larry Nassar«.

Nassar hat sich in mehreren Fällen schuldig bekannt und wurde Anfang Dezember wegen Besitzes von kinderpornografischem Material zu 60 Jahren Haft verurteilt. Weitere Urteile stehen noch aus.

»Es gibt viele Gründe, warum ich zurückhaltend war, meine Geschichte zu teilen. Aber jetzt weiß ich, dass es nicht mein Fehler war«, schrieb Simone Biles in ihrer Erklärung: »Viel zu lange habe ich mich gefragt, ob ich zu naiv war. War es mein Fehler? Jetzt weiß ich die Antworten auf diese Fragen: Nein. Nein, es war nicht mein Fehler.«

Biles war mit vier Gold- und einer Bronzemedaille zu einem der größten Stars der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro aufgestiegen. 2016 wurde sie dann auch zur Weltsportlerin des Jahres gewählt. Derzeit arbeitet sie nach einer Pause an ihrem Comeback - allerdings ausgerechnet an dem Ort, an dem sie missbraucht wurde. »Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich bei der Arbeit für meinen Traum von Tokio 2020 kontinuierlich an die Trainingsstätte zurückkehren muss, an der ich missbraucht wurde«, schrieb sie: »Ich habe mir geschworen, dass meine Geschichte größer wird als das, und ich verspreche euch allen, dass ich niemals aufgeben werde. Ich werde einem Mann und den anderen, die ihn haben gewähren lassen, nicht erlauben, mir meine Liebe und Freude zu stehlen.«

Im Skandal steht auch der Verband massiv unter Druck. Zuletzt reichte Maroney Klage gegen USA Gymnastics und das US-Olympiakomitee USOC ein. Die 22-Jährige soll vor einem Jahr von USA Gymnastics laut Medienberichten 1,25 Millionen Dollar (eine Million Euro) erhalten haben, damit sie über die Vorgänge um Nassar schweigt. SID/nd

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