Alle Zeichen stehen auf Rehabilitierung

Russe gibt Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln zu - Internationaler Sportgerichtshof spricht Curler schuldig

  • Lesedauer: 3 Min.

Nach dem erneuten Dopingfall müht sich die geächtete Sportmacht Russland um die Wiederaufnahme ins IOC bei der Olympia-Schlussfeier. Curler Alexander Kruschelnizki gab einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln bei den Spielen von Pyeongchang zu. Nach Angaben des russischen Nationalen Olympischen Komitees (ROC) haben er und seine Frau Anastassija Brysgalowa, mit der er im Mixed-Wettbewerb angetreten war, ihre Bronzemedaillen ans IOC zurückgegeben und Südkorea verlassen.

Das ROC teilte zudem am Donnerstag mit, dass es die geforderten 15 Millionen US-Dollar (rund zwölf Millionen Euro) für den Anti-Doping-Kampf gezahlt habe. Der Betrag soll eine Kompensation der Kosten sein, die das Internationale Olympische Komitee im Zuge der Untersuchungen des Sotschi-Skandals hatte. Die Zahlung gehört zu den Auflagen, die das ROC erfüllen muss, um wieder ins IOC zurückzukehren.

In einem schriftlichen Verfahren entschied der Sportgerichtshof CAS am Donnerstag, dass Kruschelnizki und seine Frau ihre Bronzemedaillen verlieren. Kruschelnizki, der in A- und B-Probe positiv auf das verbotene Herzmittel Meldonium getestet worden war, sei schuldig und werde von den Spielen ausgeschlossen.

Das IOC will Bronze im Curling-Mixed schnell wieder vergeben. Der Medaillenspiegel führt die Norweger Magnus Nedregotten und Kristin Skaslien nun als Dritte. Das IOC teilte mit: »Wenn der Curling-Weltverband die Ergebnisse angepasst und der Athlet den Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln akzeptiert hat, wird das IOC sein Bestes tun, um eine Zeremonie zur Neuvergabe der Medaillen in Pyeongchang durchzuführen.«

Laut norwegischen Medien waren Nedregotten und Skaslien am Donnerstag bereits auf dem Weg von Norwegen zurück nach Südkorea. Der Curling-Weltverband gratulierte beiden und teilte mit, dass sie ihre Bronzemedaillen erhalten werden. Wann genau, ließ der Verband offen.

Am Tag zuvor hatte die russische Seite bekanntgeben, dass sie im Fall Kruschelnizki auf eine Anhörung beim CAS verzichtet. Die Russen, die seit Verhängung von Sanktionen in Folge des Manipulationsskandals von Sotschi am 5. Dezember auf Konfrontationskurs zum IOC gegangen waren, ruderten damit erstmals ein Stück zurück. Möglicherweise versprechen sie sich davon eine größere Chance, dass das IOC am Wochenende die Sanktionen gegen ihr Nationales Olympisches Komitee aufhebt und den Sportlern gestattet, hinter ihrer Flagge zur Schlussfeier einzulaufen.

Mutmaßlich ist auch ein Gespräch zwischen IOC-Präsident Thomas Bach und Igor Lewitin, Vizepräsident des russischen NOK und Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, in dem Zusammenhang von Bedeutung. IOC-Sprecher Mark Adams spielte die Bedeutung der Begegnung in Pyeongchang herunter: »Das war nur ein vierminütiges Gespräch.« Bach habe Lewitin zum Geburtstag gratuliert und sich ansonsten mit ihm so ausgetauscht, wie er es mit Vertretern anderer Nationen tue.

Voraussichtlich erst am Tag der Schlussfeier entscheidet das IOC, ob Russlands Sportler hinter ihrer Fahne ins Stadion einziehen werden. Das IOC-Exekutivkomitee werde am Samstag die Empfehlung einer dreiköpfigen Untersuchungskommission anhören, sagte Adams. »Danach entscheiden wir über die nächsten Schritte.« Die IOC-Session, die am Sonntagvormittag tagt, werde den Fall dann »natürlich diskutieren«. Das Exekutivkomitee würde mit dem Ablauf die Vollversammlung der IOC-Mitglieder noch um politische Rückendeckung bitten. dpa/nd

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