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Grünphase für Bayer

US-Behörde kündigt Zustimmung zur Übernahme von Monsanto an

  • John Dyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Die US-Behörden sollen grünes Licht für die Übernahme von Monsanto durch Bayer gegeben haben. Das deutsche Chemieunternehmen zahlt für den Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut rund 62,5 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro). Die Leverkusener steigen mit der Monsanto-Übernahme zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf.

Am Montag berichtete das »Wall Street Journal«, dass Bayer und Monsanto die Kartellrechtsanwälte im US-Justizministerium schließlich doch noch zufriedenstellen konnten. Diese hatten noch vor einem Monat Bedenken, dass die Übernahme nicht genehmigt werden könne. »Wie wir von Anfang an gesagt haben, geht es bei dieser Gelegenheit darum, sehr komplementäre Geschäfte zu kombinieren und unseren Kunden neue innovative Lösungen anzubieten«, heißt es von Bayer in einer Erklärung gegenüber dem »Wall Street Journal«. Das Unternehmen gibt weiter an, mit einem Abschluss der Übernahme noch im zweiten Quartal 2018 zu rechnen.

Im September 2016 waren die Pläne bekanntgeworden. Das durch die Übernahme entstehende Unternehmen würde die Kompetenzen von Bayer als weltweit größtem Pestizidhersteller mit Monsantos Geschäft mit Saatgut und Pflanzengenen verbinden.

Es ist nicht der erste große Abschluss dieser Art in der 100 Milliarden Dollar schweren agrochemischen Branche. Inzwischen sind aus der Handvoll großer Unternehmen einige wenige Giganten geworden. Im vergangenen Jahr hatten die Kartellbehörden der Fusion von Dow Chemical und DuPont zugestimmt und den Weg für die Übernahme der Basler Syngenta durch die China National Chemical Corporation freigemacht.

Die EU hatte dem Kauf von Monsanto durch Bayer im März zugestimmt, falls Bayer die Geschäfte mit Soja, Baumwollsaat und dem Pflanzenschutzmittel Glufosinat des fusionierten Unternehmens an den deutschen Chemiekonzern BASF verkauft. Amerikanische Behörden wollen, dass Bayer noch mehr Teile seines Saatgutgeschäfts sowie das digitale Landwirtschaftsgeschäft, das Daten an Landwirte liefert, an BASF verkauft, berichtet das »Wall Street Journal«.

Die Veräußerung des gesamten Pakets an BASF wird von der EU-Kommission noch geprüft, über die Genehmigung soll bis Mitte April entschieden werden. Auch die kanadischen und mexikanischen Behörden sowie Indien müssen dem Kauf noch zustimmen. Brasilien und China haben die Fusion bereits erlaubt.

Landwirte haben sich gegen die Übernahme durch Bayer und ähnliche Vereinbarungen ausgesprochen, da die Konsolidierungen den Wettbewerb verringern und ihre Kosten erhöhen dürften. Fast 94 Prozent der US-amerikanischen Landwirte sind »besorgt« über die Übernahme, so eine Umfrage des Beratungsunternehmens Konkurrenz vom März.

Wenonah Hauter, Direktorin der Interessenvertretung Food & Water Watch, ist der Meinung, dass die Landwirte angesichts der chinesischen Zölle auf Sojabohnen und andere Waren aufgrund des Handelskriegs von Präsident Donald Trump bereits mit genug Problemen konfrontiert sind. »Die Landwirte stehen vor einem weiteren Jahr mit langanhaltend niedrigen Preisen für ihre Ernten, aber diese Fusion wird die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Landwirte noch schwieriger machen.«

Auch Umweltschützer haben sich gegen die Übernahme ausgesprochen. Verbrauchern werde es damit noch schwerer gemacht, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu vermeiden. »Diese Entscheidung wird die Macht der großen agrochemischen Unternehmen, die unser Nahrungsmittelsystem bereits im Würgegriff haben, massiv erhöhen«, sagt Jason Davidson, Mitarbeiter der Nahrungsmittel- und Technologiekampagne bei Friends of the Earth. »Amerikanische Landwirte werden mit höheren Saatgutpreisen, weniger Auswahl und einer schlechteren Verhandlungsposition konfrontiert. Diese Fusion aus der Hölle wird das gescheiterte Modell der giftigen, chemisch intensiven Landwirtschaft, die die Menschen und den Planeten vergiftet, weiter festigen.«

Die Investoren waren anderer Meinung. Bayer legte an den Märkten um fünf Prozent zu, Monsanto um sechs Prozent.

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