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Kunsthistorische Weltreise

Nationalgalerie hinterfragt ihren westlich geprägten Kanon

  • Von Nadine Emmerich
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Ausstellungsfläche von »Hello World. Revision einer Sammlung« ist monumental: Die Schau, mit der die Nationalgalerie in Berlin ihre Sammlung und deren westlich geprägten Blick selbstkritisch reflektiert und sich um internationale Öffnung bemüht, verteilt sich auf 10 000 Quadratmetern über den gesamten Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwartskunst. »Was man braucht, ist Zeit«, stellte die stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, am Freitag direkt klar. Seit Samstag lädt das Haus zu einer Art kunsthistorischen Weltreise mit erweitertem Blick.

13 interne und externe Kuratoren arbeiteten rund zwei Jahre lang daran, folgende Vision zu erarbeiten: Wie sähe die Sammlung der Nationalgalerie heute aus, hätte ein globaleres und weniger koloniales Verständnis Kanon und Entstehung bestimmt? Ausgehend von der Sammlung der 1861 gegründeten Nationalgalerie sind so 13 für sich stehende Kapitel ohne chronologische oder geografische Gliederung entstanden. Der Fokus liegt auf dem transnationalen künstlerischen Austausch seit Ende des 19. Jahrhunderts, der in den meisten Ausstellungshäusern bis heute unsichtbar bleibt.

So zeigt das Kapitel »Ein Paradies erfinden. Sehnsuchtsorte von Paul Gauguin bis Tita Salina« kulturelle Netzwerke zwischen Europa und Indonesien auf. Der deutsche Künstler Walter Spies etwa zog in den 1920er Jahren nach Bali, wo er eine Künstlergruppe gründete - und Bilder wie »Reh in einer Lichtung im Urwald« malte. Ein anderes Kapitel illustriert, wie die mexikanische Arte Popular die internationalen Avantgarden und den Surrealismus beeinflusste. Von Heinrich Vogeler, besser bekannt als Maler der Künstlerkolonie Worpswede denn als Emigrant in den Kaukasus, werden Manifeste für den Kommunismus präsentiert. »Colomental« thematisiert noch heute tief verwurzelte koloniale Mentalitäten. Die Ausstellung stelle etliche Möglichkeiten dar, wie Kunstgeschichte auch anders erzählt werden könne, sagte die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Hortensia Völckers.

Für »Hello World« wurden rund 100 Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Filme aus der Nationalgalerie ergänzt durch 200 Leihgaben aus weiteren Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. epd/nd

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Straße 50, Tiergarten. Bis 26. August.

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