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Und die Rechten liefen trotzdem

Für Christopher Wimmer zeigt sich, dass Toleranz und Weltoffenheit die AfD allein nicht aufhalten werden

  • Von Christopher Wimmer
  • Lesedauer: 3 Min.

Bis zu 70.000 Protestierende aus der Zivilgesellschaft, der Kultur- und Clubszene sowie aus Parteien und Verbänden haben sich am Sonntag in Berlin-Mitte der AfD in den Weg gestellt. Trotz der deutlichen zahlenmäßigen Überlegenheit war der Tag aus antifaschistischer Perspektive kein Erfolg.

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Denn die völkische Diskursverschiebung in der Öffentlichkeit und die Aushöhlung der Demokratie mit demokratischen Mitteln durch die AfD wird nicht mit Glitzer, Bass und Feiern gestoppt. Diese Protestform ist lediglich eine Neuauflage des »Aufstands der Anständigen« und dient in erster Linie der Inszenierung des Selbst als weltoffen, bunt und tolerant. Dagegen ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden - lieber tanzen als marschieren.

Ein Erfolg wäre es allerdings gewesen, den Auftritt der AfD in Berlin mit ihren lediglich 5000 Teilnehmer_innen durch die schiere Masse des Gegenprotestes zu verhindern. Das ist aber nicht geschehen. Zum einen lag dies an der Selbstgenügsamkeit der feiernden Protestierenden oder protestierenden Feiernden, die nie den Anspruch hatten, konsequent gegen die AfD vorzugehen. Es lag zum anderen aber auch an der Strategie der radikalen Linken, die erfolglos zu Blockaden mobilisierte. Es war abzusehen, dass eine Blockade der Route der AfD in Berlin-Mitte nicht funktionieren würde. Einzelne Versuche scheiterten nicht nur an der massiven Polizeigewalt, sondern auch an der eigenen personellen Schwäche sowie der Unfähigkeit, eine geeignete Strategie zu entwickeln und diese auch anzupassen.

Durch Bass und Trallala alleine kriegt man die Rassist_innen nicht von der Straße. Hier hilft nur konfrontativer Protest, der es für die AfD möglichst ungemütlich macht. Gelegenheiten hierfür gab es: An einer S-Bahn-Brücke bekam die AfD-Demonstration ziemlich viel schwarze Farbe ab. Und bei ihrer Abreise am Hauptbahnhof mussten die Anhänger_innen der AfD durch ein Spalier von lautstarken und wütenden Gegenprotesten. Unter dem Applaus der Anti-Rassist_innen wurden dann auch einige Deutschlandfahnen entwendet und flogen in den Müll.

Solche Momente sollte die radikale Linke für sich nutzen. In der Menge kann sie sich unsichtbar machen und daraus unübersichtliche und dezentrale Aktionen durchführen, die die AfD direkt treffen können. Allein Zeichen der Toleranz und der Weltoffenheit zu setzen, reicht nicht aus. Ein Leben mit Seifenblasen und Techno-Musik ist sicher besser als eines ohne, es genügt aber nicht. Denn richtig gut wird es erst dann, wenn sich Tausende Rassist_innen doch dafür entscheiden, keine Demonstration mehr durchzuführen - und das wird nicht von alleine passieren.

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