Kein Opfer, sondern Täter

Ulrike Kumpe über Alex Jones und seinen Versuch, sich zum Opfer zu stilisieren

  • Von Ulrike Kumpe
  • Lesedauer: 1 Min.

In einem Tweet schreibt der texanische Verschwörungstheoretiker Alex Jones, dass die Sperrung seiner Konten auf Facebook, Apple oder Youtube Zensur sei. Er schließt seinen Tweet mit den Worten ab: »Wir sind alle Alex Jones.« Die richtige Antwort darauf kann nur sein: »Nein, sind wir nicht!«

Jones ist kein Opfer eines Anschlages religiöser Fanatiker wie die Diskothekenbesucher in Paris, die Einkaufspassagenbesucher in Beirut oder die Redakteure der französischen Satirezeitschrift »Charlie Hebdo«, in dessen Kontext dieser Ausspruch via Twitter virulent wurde. Aus »Je suis Charlie« wurde schnell »Nous sommes tous Charlie«, wir sind alle »Charlie«. Es sollte ein Zeichen der Solidarität sein: mit den ermordeten Zeichnern, für die Hinterbliebenen. Es sollte auch ein solidarisches Zeichen für das sein, wofür die Zeitschrift stand, für eine kritische Auseinandersetzung mit der französischen Gesellschaft.

Eine solche Solidarität fordert Jones jetzt für sich ein. Er versucht sich gemein zu machen mit den Opfern von Hasspredigern, wie er selbst einer ist. Er fordert dafür Solidarität, weiter gegen Transgender, Muslime oder Migranten auf Online-Plattformen hetzen zu dürfen und dafür »Fake-News« als Wahrheit verbreiten zu dürfen. Also nein, wir sind nicht Alex Jones.

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