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1,5 Milliarden verpasste Schultage

Der UNESCO-Weltbildungsbericht zeigt Bildungsnachteile von Kindern von Geflüchteten und Migrant*innen auf

  • Von Vanessa Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.

Kinder von Geflüchteten und Migrant*innen sind weiter stark benachteiligt. Insbesondere das Recht auf Bildung wird ihnen in vielen Ländern der Welt noch immer nicht gewährt. Das stellt der diesjährige Weltbildungsbericht, der am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde, unter dem Titel »Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern« fest.

Die »Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur« (UNESCO) evaluiert jährlich die Fortschritte bei der Umsetzung der »Globalen Nachhaltigkeitsziele«. Diese beinhalten, dass bis 2030 alle Menschen eine »inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen« erhalten.

Auf 362 Seiten wird in dem Dokument sowohl die Situation derjenigen, die fortgehen, jener, die bleiben, als auch die der Aufnahmegesellschaften beleuchtet. Trotz vieler Fortschritte ziehen die Autor*innen eine negative Bilanz: Insgesamt hätten geflüchtete Kinder und Jugendliche in den letzten zwei Jahren 1,5 Milliarden Schultage verpasst. Schuld seien auch zunehmend negative Reaktionen auf Flucht und Migration. Dieser Entwicklung müsse nun entschieden entgegengetreten werden.

Die Maßnahmen bei der Integration von Geflüchteten und Migrant*innen in Deutschland bewerteten die Autor*innen des Berichts größtenteils positiv. Deutschland habe bei der Integration von Geflüchteten in das Bildungswesen bereits viel erreicht, so Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. Insbesondere eine umfangreiche Sprachförderung, die Möglichkeit der Anerkennung von Qualifikationen für den Arbeitsmarkt sowie zahlreiche Unterstützungsprogramme für Geflüchtete in Deutschland fielen darunter. Vor allem die seit 2016 auf 800 Millionen aufgestockten Investitionen in die Sprachförderung in Kindertagesstätten hätten sich ausgezahlt und kämen allen in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen zugute. Sprache sei der Schlüssel für unsere Gesellschaft, betonte Böhmer.

Geflüchtete mit guten Deutschkenntnissen, Lese- und Schreibfertigkeiten haben laut Weltbildungsbericht eine deutlich höhere Chance auf Beschäftigung als Geflüchtete ohne diese Kenntnisse. Sprachkenntnisse sind auch mit einem besseren Zugang zu Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen verbunden.

Böhmer dankte auch den vielen Ehrenamtlichen, die sich in ganz Deutschland für die Integration von Geflüchteten einsetzten: »Die Bereitschaft in der Bevölkerung, bei Spracherwerb, Erreichen von Bildungsabschlüssen und einer Ausbildung zu helfen, ist enorm groß und eine riesige Hilfe. Gerade bei der Vermittlung von informellen Informationen zu Bildung und Beruf ist dies wertvoll.«

Verbesserungsbedarf sieht die UNESCO dahingegen vor allem bei der Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem. So wurden 30 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen unter 16 Jahren in Deutschland in Sonderprogrammen außerhalb von Regelschulklassen unterrichtet. Bei den über 16-Jährigen sind es sogar 85 Prozent. Zwar vermittelten die Sonderklassen essenzielle Qualifikationen, insbesondere Sprachkenntnisse. Wichtig sei aber, dass danach eine rasche Eingliederung in Regelschulklassen erfolge. Manos Antoninis, Direktor des Weltbildungsberichts, erklärte: »Separierende Maßnahmen in Ländern mit hohem Einkommen verstärken die Benachteiligung von Einwanderern und Flüchtlingen weiter. Es hat keinen Vorteil, Einwanderer oder Flüchtlinge unterschiedlich zu behandeln. Deutschland ist stark in vielen anderen Bereichen. Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt.« Wissenschaftliche Studien belegten, dass sowohl eine langfristige Integration als auch der kurzfristige Bildungserfolg der Schüler*innen höher sei, wenn sie möglichst wenig von ihren einheimischen Mitschüler*innen getrennt würden.

Auch zu einer Prüfung der Lehrpläne selbst rät die UNESCO: Statt Flucht und Migration nur als Problem darzustellen, solle zukünftig auch der »Beitrag von Migration zu Wohlstand und Wohlergehen« der Aufnahmegesellschaft vermittelt werden. Kommentar Seite 10

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