Die Moral des Morales

Erste deutsche Biografie des bolivianischen Präsidenten

  • Von Gerhard Desombre
  • Lesedauer: 2 Min.
Vivir bien!« Gut leben - lautet eine politische Maxime des Präsidenten Boliviens Evo Morales, des 1959 im Dorf Isallawi auf dem bolivianischen Altiplano geborenen Gewerkschaftsführers, der erste Indio des Aymara-Volkes, der in La Paz zum Präsidenten ausgerufen wurde. Durch seine Herkunft und seine linksnationale Position, die sich in Namen und Programm seiner Partei MAS (Movimiento al Socialismo - Bewegung zum Sozialismus) ausdrücken, erregte schon seine Wahl internationale Aufmerksamkeit. Und seine Amtsführung wird nicht nur von Linken gespannt verfolgt. »Vivir bien« versteht er nicht als gut leben im hedonistischen Sinn, sondern als richtig leben im Sinne der Gerechtigkeitsvorstellungen des bolivianischen Volkes. Diese ergeben sich aus der kulturellen und historischen Entwicklung des indianisch geprägten Landes. Es geht Morales und seinen Anhängern nicht nur um materielle, sondern ganz stark auch um moralische Werte. So will man mit der Wiederbelebung des traditionellen Systems der gegenseitigen Hilfe, in Quechua »ayni« genannt, die von den bisherigen Eliten praktizierte Korruption und Ausplünderung des Landes überwinden. Das politische Konzept des »vivir bien« beinhaltet darum andere Werte als jene, die die saturierten Eliten der so genannten Ersten Welt mit diesem Begriff verbinden. Mit der Wahl von Morales zum Präsidenten stieß Bolivien vor in die Reihe jener lateinamerikanischen Länder, die sich der Vorherrschaft der USA entgegenstellen, und in dieser Zielstellung solidarisch zusammenarbeiten - auch mit Kuba. Besonders Letzteres erregt den Unwillen der Bush-Regierung in Washington.
Das Werden und Wirken des Evo Morales, seine Moral, Weltsicht und Zielsetzung in ursächlichem Zusammenhang mit dem Leben und der Geschichte seines Volkes beschreibt der in Leipzig lebende bolivianische Wirtschaftswissenschaftler Dr. Germán Muruchi Poma in einer reich illustrierten, informativen und repräsentativ gestalteten Biografie. Der Militzke-Verlag stellte das Werk auf der Leipziger Buchmesse vor und gab dabei bekannt, dass ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Buches für Hilfsprojekte in Bolivien gespendet werden.

Germán Muruchi Poma: Evo Morales. Die Biografie. Militzke, Leipzig 2007. 222 S., geb., 29,90 EUR.
Autorenlesung und Diskussion heute, 19 Uhr, VOLAPÜK, Hufelandstr. 35, Berlin.

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