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Falsches Zahlenspiel

Im Streit um gleiche Bezahlung bekommen die US-Fußballerinnen Unterstützung von ihren männlichen Kollegen. Der Verband aber bleibt stur

  • Von Lars Weiske, Los Angeles
  • Lesedauer: 3 Min.

Drei Wochen nach dem WM-Triumph der US-amerikanischen Fußballerinnen spitzt sich die Situation im nationalen Verband USSF zu. Nach dem angekündigten Rücktritt von Jill Ellis, die die Frauen zu zwei WM-Titeln geführt hat, stehen das beste Team der Welt weniger als ein Jahr vor Olympia ohne neue Trainerin da - und abseits des Sportlichen hat der Konflikt zwischen der Frauenauswahl und dem Verband durch einen offenen Brief des USSF-Präsidenten Carlos Cordeiro neue Schärfe bekommen.

Unterstützung erhalten Megan Rapinoe und Co. von ihren männlichen Kollegen. »Das ist mal wieder das Gleiche von einem Verband, der ständig in Konflikte und Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist und sich auf die Steigerung von Einnahmen und Gewinnen konzentriert, ohne zu wissen, wie man dieses Geld für die Entwicklung des Sports verwenden kann«, heißt es in der Erklärung der USNSTPA, die Gewerkschaft der US-Nationalspieler. »Die Nationalspielerinnen verdienen gleiche Bezahlung und es ist richtig, Rechtsmittel vor Gericht oder dem Kongress einzulegen.«

Laut Cordeiro hat die USSF ihren Spielerinnen im Zeitraum zwischen 2010 und 2018 34,1 Millionen Dollar gezahlt, der Männerauswahl mit 26,4 Millionen Dollar aber knapp acht Millionen weniger - ein gewagtes Zahlendribbling des gebürtigen Inders in einem öffentlich geführten Kampf um Gleichstellung, der vor langer Zeit von der Frauenauswahl um Starspielerin und Sprachrohr Rapinoe eröffnet worden war. Molly Levinson, Sprecherin der US-Spielerinnen, nannte die von Cordeiro zitierten Zahlen, die beispielsweise die FIFA-Boni für WM-Teilnahmen außer Acht lassen und die Vereinsgehälter der Frauen berücksichtigen - »völlig falsch«. »Jeder Vergleich von Äpfeln mit Äpfeln zeigt, dass die Männer weitaus mehr verdienen als die Frauen«, betonte sie.

Im März hatten die Nationalspielerinnen den Verband wegen des Vorwurfs der Geschlechterdiskriminierung verklagt und gleiche Bezahlung und Bedingungen wie die sportlich bekanntlich wenig erfolgreichen Männer gefordert. Die Diskussionen um gleiche Bezahlung im Männer- und Frauenfußball hatten im Verlaufe der WM in Frankreich weiter an Fahrt aufgenommen, nun steht ein Schlichtungsverfahren an. Zwei Abgeordnete des Repräsentantenhauses hatten zuletzt sogar einen Gesetzentwurf eingereicht, der Zuschüsse für die an die USA, Mexiko und Kanada vergebene Männer-WM 2026 blockieren soll, bis die Frauen gleichberechtigt behandelt werden. »Die Frauen haben die ganze Welt und das ganze Land zusammengebracht«, sagte die Abgeordnete Doris Matsui: »Das muss auf angemessene Weise anerkannt werden. Und sie müssen die gleiche Bezahlung erhalten.«

Zur Absegnung des Entwurfs müssten diesen allerdings der US-Senat und das Repräsentantenhaus bewilligen. Und: Auch Präsident Donald Trump müsste zustimmen. Legt der 73-Jährige sein Veto ein, müsste dieses wiederum per Abstimmung außer Kraft gesetzt werden. Im Verlaufe des WM-Turniers hatte Trumps Disput mit Kapitänin und WM-Torschützenkönigin Rapinoe für Aufsehen gesorgt. Die 34-Jährige, die sich gegen Rassismus, Homophobie und Geschlechterdiskriminierung engagiert, hatte wiederholt ausgeschlossen, nach dem Titelgewinn eine Einladung ins Weiße Haus anzunehmen.

Große Unterstützung hatten die Weltmeisterinnen unter anderem auch von Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, bekommen: »Das Frauen-Nationalteam hat uns seine Größe gezeigt - jetzt gebt ihnen das Geld.« SID/nd

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