Deutschland, das Opfer

Stephan Kaufmann über die drohende Rezession

  • Stephan Kaufmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Die deutsche Wirtschaftsleistung wächst nicht mehr, und laut Expertenmeinung stehen die Schuldigen dafür fest: der US-Präsident und der britische Premierminister. Mit Handelskrieg und Brexit, so die Erklärung, »verunsichern« Donald Trump und Boris Johnson die Investoren, die daraufhin nicht mehr investieren, was die exportabhängige Industrienation Deutschland in die »Trump-Johnson-Rezession« treibt.

Diese moralische Geschichte transportiert einige erbauliche Botschaften: Erstens hängt die Welt offensichtlich ab von der guten Stimmung von Investoren, die man bei Laune halten muss, weil diese Laune über Krise oder Aufschwung entscheidet. Zweitens entstehen Krisen im Kapitalismus nicht durch die Konkurrenz um Marktanteile und Gewinn, sondern durch dumme Politiker, die die naturwüchsige Stabilität der Märkte stören. Drittens ist Deutschland ein unschuldiges Opfer der Lage, da es nun mal »exportabhängig« ist.

Insbesondere der dritte Punkt ist eine bemerkenswerte Umdeutung der Tatsache, dass die deutsche Industrie in den letzten Jahren derart erfolgreich ausländische Wettbewerber niederkonkurriert und ausländische Zahlungsfähigkeit an sich gezogen hat, dass sie für ihr weiteres Wachstum vollständig auf diese Märkte angewiesen ist. Ihr Exporterfolg heizte darüber hinaus nicht nur die weltweite Überproduktion an, die nun die Geschäfte verhagelt, sondern trug auch das seine zum Klimawandel bei. Dem begegnen viele Länder mit Abgasvorschriften und Elektrifizierung des Verkehrs, was den deutschen Autobauern und damit der ganzen deutschen Wirtschaft Absatzprobleme bereitet.

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