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Museen wappnen sich gegen AfD

Kulturinstitutionen rufen zu demokratischer Haltung auf und empfehlen Beratung

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

»Handfeste Empfehlungen« wolle man geben, betont Bianca Klose, Geschäftsführerin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) am Donnerstagvormittag im Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Klose stellt eine 45-seitige Handreichung mit dem Titel »Nur Schnee von gestern? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Gedenkstätten und Museen« vor. Gemeinsam mit Stiftungsdirektor Uwe Neumärker, Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) und der Kuratorin vom Brücke-Museum, Daniela Bystron, berichtet sie über den zunehmenden Druck von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten auf Kultureinrichtungen und Gedenkstätten.

Derzeit gebe es eine regelrechte Welle von Angriffen auf die Gedenk- und Geschichtskultur in diesen Institutionen: Dabei geht es um rechtsextreme Einträge in Besucherbücher, Provokationen bei Führungen, Störungen von Gedenkveranstaltungen oder parlamentarische Anfragen der AfD mit dem Ziel der Einflussnahme auf Einrichtungen und deren Programmgestaltung, sagte Klose. Auch in regionalen Museen und Kunsteinrichtungen komme dies zunehmend vor. Gezielte Tabubrüche wie Holocaust-Leugnung oder revisionistische Aussagen nur als einzelne Vorfälle zu betrachten, ignoriere die gezielte Strategie der AfD und anderer rechtsextremer Akteure, die Deutungshoheit über Geschichts- und Erinnerungspolitik zu erlangen, führt die langjährige Beraterin aus: »Es muss darum gehen, dies als Kampf zu begreifen«.

»Der Konsens, dass sich die Deutschen zu den Verbrechen der nationalsozialistischen Täter vor allem im Osten bekennen, ist in den vergangenen Jahren brüchig geworden«, sagt auch Uwe Neumärker. Der Direktor der Stiftung des Holocaust-Mahnmals steht noch deutlich unter dem Eindruck der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen am Mittwoch. Zwar gebe es in seiner Einrichtung derzeit noch eher wenige Vorfälle mit rechten Angriffen, so Neumärker, verweist aber auf die allein siebenmalige Schändung des sich in Sichtweite befindenden Denkmals zur Erinnerung an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus im vergangenen Jahr. Vorsorglich habe sich die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europa vom MBR-Team um Bianca Klose aus diesem Grund beraten lassen.

Das Mahnmal ist nur eine von 23 Einrichtungen der Hauptstadt, auch die Gedenkstätte Sachsenhausen, das Deutsche Historische Museum und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben bereits in den vergangenen zwei Jahren Beratung der MBR in Anspruch genommen. Diese umfasst unter anderem Argumentationstrainings, Social-Media-Workshops und Pressearbeit, aber auch die Redaktion von Ausstellungstexten.

Klose empfahl den Einrichtungen unter anderem die Verabschiedung eines demokratischen Leitbildes, auf das im Streitfall Bezug genommen werden kann, Antidiskriminierungsklauseln in Besucherordnungen und die Einführung einer sogenannten Netiquette für den Umgang auf sozialen Plattformen. »Das A und O ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit rechten Geschichtsnarrativen«, dann sei man auf rechte Attacken vorbereitet, sagt Klose.

Daniela Bystron vom Brücke-Museum wünscht sich von öffentlichen Institutionen mehr Haltung gegen Diskriminierung und Rassismus: »Viele Museen halten sich für überparteilich und damit unpolitisch.« Ihr Museum verstehe sich nicht nur als musealer, sondern als sozialer und politischer Ort, dem Demokratiebildung wichtig ist. Dies zeige man offen.

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