Oberfastnachter

Obermessdiener Andreas Schmitt wettert gegen die AfD

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 2 Min.

In Berlin - das ist einer der Vorteile dieser Stadt - bekommt man es in der Regel gar nicht mit, wenn der Rest des Landes Fastnacht begeht. An Schulen gibt es zwar Verkleidungsfeiern, aber die finden auch mal ein paar Wochen zu spät statt. Es muss schon einer wie Andreas Schmitt kommen und den Respekt von Menschen wie Rezo oder Jan Böhmermann verdienen, damit auch in der Hauptstadt ankommt, dass es überall sonst gerade voll witzisch zugeht - und manchmal auch politisch.

So dieses Jahr in Mainz. Zwischen dem obligatorischen Wiesbaden-Bashing und ein paar Brexit-Witzen knöpft sich Andreas Schmitt, der »Obermessdiener am Hohen Dom zu Mainz«, auf der diesjährigen Fernsehsitzung »Mainz bleibt Mainz« die AfD vor. Drei Minuten dauert der Beitrag, während der er sich immer mehr in Rage redet. In manchmal etwas gewollten Reimen zieht er Verbindungslinien von der AfD zur SS, kritisiert Nazirhetorik und warnt vor Kriegslust. Doch Mainz, so der Obermessdiener, »ist weltoffen, ihr nehmt uns die Freiheit nicht.« Um dann auf die rechten Attentate von Hanau und Halle zu kommen: »Ob Juden, Christen, Muslime - das war ein Angriff auf alle. Wir leben hier zusammen, die Demokratie wird triumphieren, dieses Land werdet ihr niemals regieren.« Die mehreren hundert Zuschauer im Saal applaudieren, johlen, es gibt Standing Ovations.

Meist drehen sich die Reden von Schmitt, der seit 2014 Sitzungspräsident ist, um Unpolitisches rund um Fußball oder Kirche. Überraschend ist der Auftritt aber nicht. Denn Schmitt - beruflich EDV-Mitarbeiter des Mainzer Bistums - ist Lokalpolitiker, für die SPD sitzt er im Stadtrat von Nieder-Olm bei Mainz. Die Fernsehsitzungen nutzte er bereits früher für klare politische Ansagen. 2019 zum Beispiel kritisierte er, dass Hans-Georg Maaßen nach seiner Abberufung als Verfassungsschutzpräsident Sicherheitsstaatssekretär werden sollte. »Genauso gut hätte Obama - ich muss es mol nenne - Osama bin Laden zum Verteidigungsminister mache könne.« Gelächter erntete er auch von Andrea Nahles und Julia Klöckner, die im Publikum saßen.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung