Profitgeile Menschenschinderei

Simon Poelchau über die Bestrebungen der Deutschen Post, wegen der Corona-Pandemie auch sonntags Pakete auszuliefern

  • Simon Poelchau
  • Lesedauer: 1 Min.

Bei manchem Vorschlag, der derzeit in der Coronakrise gemacht wird, ringt man wirklich um die passenden Worte. Der Wunsch der Deutschen Post, seine Zusteller auch sonntags Pakete ausliefern zu lassen, ist ein solcher.

Schon vor der Coronakrise ächzten die Paketzusteller unter einer steigenden Arbeitsbelastung. In der Coronakrise boomt der Onlinehandel zwar besonders, aber eben auch nicht erst seit dem Auftreten der Pandemie. Schon im vergangenen Jahr konnte der Konzern seinen Gewinn um fast ein Drittel auf über vier Milliarden Euro steigern. Und dabei stellte er nicht ein, sondern baute sogar einen Teil seiner Stellen ab. Folglich mussten weniger Arbeiter mehr leisten. Und dies potenziert sich nun, wenn die Menschen im Homeoffice wie wild im Internet Sachen bestellen und sie sich nach Hause liefern lassen. Die Gewerkschaft Verdi mahnt schon per Flugblatt die Einhaltung des Arbeitsschutzes und die Ermöglichung von Toilettengängen während der Zustellung an. Weitaus mehr Personal könnte natürlich auch helfen.

Doch der Konzern will den Zustellern zum Dank für ihre Plackerei den freien Sonntag nehmen. Mit der Sorge, dass alle rechtzeitig ihre Päckchen bekommen, hat das wenig zu tun, stattdessen eher mit profitgeiler Menschenschinderei. Hauptsache, die Dividende stimmt.

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal