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Die re:publica 2020 in Corona-Zeiten

  • Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.

Normalerweise dauert sie drei Tage, normalerweise kommen tausende Besucher – nur, normal ist in Corona-Zeiten relativ wenig: Auch die re:publica musste wegen des coronabedingten Verbots von Großveranstaltungen, das noch bis mindestens Ende August gilt, in diesem Jahr neue Wege gehen. Und die führten die Konferenz diesmal ausschließlich ins eigentlich natürliche Habitat einer Veranstaltung, die sich rund um die breite Themenwelt des Digitalen dreht: ins Netz.

Vier Kanäle, aufgemacht im Stile von Nachrichtensendern, Programm von 11 Uhr bis 23 Uhr, plus die Möglichkeit in dazugehörigen interaktiven Diskussionsräumen den Mitwirkenden im Anschluss an ihre »Sendung« Fragen zu stellen. Von der neuen digitalen Arbeitswelt in Corona-Zeiten und was davon bleiben wird, über die Covid-19-Pandemie und welche innovativen Problemlösungen sie hervorbringt bis zu Klimakrise, Hasskriminalität, Verschwörungsmythen und vieles mehr – den virtuellen Besuchern wurde (übrigens kostenfrei) auch bei dieser »re:publica im digitalen Exil«, wie sie von den Machern tituliert wurde, einiges geboten.

Darunter auch ein Webcam-Blick in so manches Arbeitszimmer der zugeschalteten Diskutanten und Interviewpartner. Wie zum Beispiel in das von CDU-Politiker Ruprecht Polenz, der im Gespräch mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org unter anderem von seiner Bundestagszeit berichtete. Und davon, wie er seinen Weg ins Netz gefunden hat, wo er sich vor allem bei Twitter zwar noch nicht lange, aber ziemlich erfolgreich unter anderem zu außenpolitischen Themen äußert. Erst Anfang März hatte der 73-Jährige nach einem Jahr Mitmischen bei dem Kurznachrichtendienst den Social-Media-Preis »Die goldenen Blogger« in der Kategorie »Newcomer des Jahres« gewonnen.

Zunächst hatte Polenz lange bei Facebook den Kontakt und die Diskussion mit den Menschen gesucht, nachdem ihm bewusst geworden war, dass diese immer mehr Lebenszeit im Netz verbringen. Auch dort habe er sich ein Bild davon machen wollen, wie die Wähler leben und was sie bewegt, so Polenz. Auch bei Twitter aktiv zu werden, davon habe er erst überzeugt werden müssen, weil einem dort nur so wenige Zeichen zur Verfügung stünden.

Über die Probleme des Kulturbetriebs und die schwierige Aufgabe diesen durch die Krise zu bekommen, berichtete Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Neben millionenschweren Hilfsprogrammen ist dabei für die Branche eine Frage von zentraler Bedeutung: Wie können Veranstaltungen so gestaltet werden, dass sie Corona-sicher sind. Dazu liefen derzeit intensive Diskussionen, so Lederer, an eine Normalität unter Corona robbe man sich gerade heran. Stück für Stück, immer den Gesundheits- und Arbeitsschutz im Auge.

Ende April, als feststand, dass es auch mit dem Ausweichtermin re:publica nichts wird und bekanntgegeben wurde, dass sie im Internet stattfinden wird, hatte Andreas Gebhard, Geschäftsführer der re:publica GmbH, erklärt, die gesamte Event-Branche müsse sich neu erfinden. »Wir haben eine besondere Rolle, weil viele auf uns schauen.« Es stehe die Frage im Raum, wie große Veranstaltungen wieder stattfinden können und mit welchem neuen Konzept. »Wir sind bereit, diesen Dialog zu führen. Wir sind aber noch nicht so weit, ein fertiges Konzept vorzulegen«, so Gebhard damals. Heute kann man sagen, die re:publica 2020 war ein guter Aufschlag.

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