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Pure Heuchelei

Birthe Berghöfer über die Kritik am deutschen Schlachtbetrieb

  • Birthe Berghöfer
  • Lesedauer: 1 Min.

Dem ein oder anderen mag am Wochenende fast das Mettbrötchen im Hals stecken geblieben sein, als von rund 200 Corona-Infizierten in einem nordrhein-westfälischen Schlachthof berichtet wurde. Zugleich wurden nämlich die »unhaltbaren Zustände« der Schlachtindustrie offenbart, wie Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gegenüber der AFP sagte. Tatsächlich ist das nur die halbe Wahrheit: Katastrophale Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sind seit Jahren bekannt und nicht zuletzt eine logische Konsequenz extremen Preisdrucks bei Fleischwaren.

Ekelhafter als die systematische Ausbeutung der meist osteuropäischen Beschäftigten in den Schlachtbetrieben ist allerdings die plötzliche Empörung. Denn sie ist nicht Ausdruck wahren Unmuts über mangelhafte bis gar keine Schutzausrüstung und katastrophale Sammelunterkünfte. Nein, sie kommt im Zuge der Angst vor erneuten Einschränkungen durch eine zweite Corona-Welle. Den meisten Empörten geht es um das eigene Wohl: Darum, dass es bei den gelockerten Ausgangsbeschränkungen bleibt. Und auf das Pfund Hack für 2,19 Euro wollen sie grundsätzlich auch nicht verzichten. Dabei ist es das, was krank macht und Menschenleben in Gefahr bringt.

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