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Das Häuschen im Grünen

Bauförderung

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Kurt Tucholsky träumte von der Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße. Dieses Ideal dürfte auch in der Nach-Corona-Welt nicht zu verwirklichen sein. Das urbane Wohnen ist in der Pandemie für manchen ohnehin zum Albtraum geworden. Der Trend der letzten Jahre könnte kippen: Statt wachsender Städte wird das Haus im Grünen wieder zum Wunschziel junger Menschen. Dank Heimarbeit, heute Homeoffice genannt, spart man gleich noch die Pendlerzeiten in die Metropolen ein. Der ökologische Fußabdruck und zersiedelte Landschaften interessieren ohnehin nur eine Minderheit.

Achtung: Niemand hat etwas zu verschenken

Das Häuslebauen außerhalb der Stadtzentren dürfte also wieder schicker werden. Billige Kredite können die Baufinanzierung erleichtern. Haben die Zentralbanken schon nach der Finanzkrise ihre Leitzinsen gesenkt, sorgt »Corona« endgültig dafür, dass die Phase der Niedrigstzinsen bis weit in die Zukunft verlängert wird. Kredite mit einer Laufzeit und Zinsbindung von jeweils 20 Jahren kosten zurzeit etwa 1,5 Prozent pro Jahr. Das ist verlockend.

Doch Obacht: Geschenkt gibt es das Haus im Grünen auch in Zukunft nicht! Die Kosten für Neubauten sind durch rasant ansteigende Grundstücks- und Baupreise sowie infolge der gewachsenen politischen Vorgaben, etwa für Klimaschutz, überaus drastisch angewachsen. Und auch der Kauf eines Hauses (oder einer Eigentumswohnung) wird immer teurer. Steigende Immobilienpreise sind die Kehrseite der fallenden Zinssätze.

Stadtnah kostet ein Reihenhaus auf einem handtuchkleinen Grundstück schnell an die Million. Hinzu kommen Nebenkosten von, sagen wir, 100 000 Euro. Je nach Höhe des eingesetzten Eigenkapitals, zahlen die jungen Bauleute schnell zwei, dreitausend Euro im Monat an Zins und Tilgung.

In der Nach-Corona-Zeit, auch das ist zu bedenken, könnten die guten Jobs unsicherer sein als zuvor. Werkverträge und Projektarbeiten dürften weiter zunehmen. Die Finanzierung einer Immobilie läuft allerdings normalerweise über 30, 35 Jahre. In dieser langen Zeit könnte die Grundsteuer deutlich steigen; oder die Gemeinde renoviert die Straße vor Ihrer Haustür, und Sie werden zur Kasse gebeten. Wird der Arbeitsmarkt unsicherer, kann selbst das vergleichsweise preiswerte Häuschen an der Peripherie sich schnell zur finanziellen Falle wandeln. Und ist das einst so schicke Eigenheim dann nach mehreren Jahrzehnten glücklich abgestottert, beginnt das Spiel von vorne: Das Dach muss erneuert werden, die Kellertreppe ist marode und so weiter.

Guter Rat ist nicht teuer

Sollten Sie jetzt immer noch Lust aufs Bauen verspüren, gratulieren wir zu ihrer Hartnäckigkeit! Die brauchen Frau und Mann als angehende Immobilieneigentümer allerdings auch. Doch es gibt guten Rat. Und Hilfe. So existieren diverse Fördertöpfe, die Sie anzapfen können. Experten sprechen von einer vierstelligen Zahl. Die Möglichkeiten reichen von der Kommune, in der gebaut werden soll, über die Förderung durch das Bundesland und die Bundesregierung bis hin zur Europäischen Union.

Um sich hier Klarheit zu verschaffen, kann nun (seit Mai 2020) auf das neu gestaltete Verbraucherportal www.baufoerderer.de zurückgegriffen werden. Das nach Selbsteinschätzung unabhängige Verbraucherportal ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) in Berlin und der staatlichen KfW-Förderbank in Frankfurt am Main.

Im Mittelpunkt des anschaulichen Portals steht die Suche nach Fördermitteln. Per Mausklick lassen sich aktuelle Förderprogramme für Hausbau, Modernisierung, Sanierung sowie für den Erwerb einer Eigentumswohnung oder Immobilie ausfindig machen. Über vier Zielgruppen können Sie leicht in die Internetseite einsteigen (Energieeffizient Bauen, Sanieren, Kaufen, Altersgerecht Umbauen).

»Ein Haus zu bauen, zu kaufen oder zu sanieren ist mit hohen Kosten verbunden«, sagt Thomas Engelke, Leiter »Team Energie und Bauen« im vzbv. Häufig sei es sogar die größte finanzielle Entscheidung im Leben. »Geht etwas schief, ist der Ärger groß.«

Das Informationsportal soll Bauherren und Baudamen von Anfang an mit Informationen und Tipps unterstützen. Und es soll zeigen, so Engelke, »wie sich etwa durch energieeffizientes Bauen bares Geld sparen lässt und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann«.

Dabei ist der Internetauftritt breit aufgestellt. Experten aus den Verbraucherzentralen aller Bundesländern und auch aus weiteren Verbraucherverbänden wie Bauherren-Schutzbund oder Wohnen im Eigentum e.V. kommen zu Wort. Verbraucher können - kostenlos - eine interaktive Checkliste und eine Baukindergeld-App nutzen.

Noch ein Tipp: Unabhängig vom Standort und unabhängig vom Empfangsgerät können Sie alle Informationen abrufen und die Plattform über Smartphone, Tablet oder über den PC ansteuern.

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