Schwarzer Rauch über Beirut

Wieder ist ein Großfeuer im Hafen ausgebrochen.

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 3 Min.

Nur wenige Wochen nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut am 4. August, brach am vergangenen Donnerstag ein Feuer auf dem Gelände aus. Die ersten Bilder von einem mächtigen Feuer und einer hoch aufsteigenden schwarzen Rauchsäule wurden etwa um 13 Uhr am Donnerstag über libanesische Medien verbreitet. Die Sicherheitskräfte gaben an, das Feuer sei im Freihafen, in einem Lager für Reifen und Öl ausgebrochen. Schwarzer Rauch legte sich über die gesamte Hafenbucht und die Stadt, in panischer Angst flohen Hafenarbeiter vom Ort des Geschehens. Die Polizei forderte die Bewohner der nahe gelegenen Wohnviertel auf, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Viele Bewohner der Stadt berichteten von einem »Flashback«, in dem sie sich in das traumatische Geschehen am 4. August zurückversetzt fühlten. Die libanesische Armee sperrte die wichtige Ost-Westverbindung Charles Helou, die direkt am Hafen vorbeiführt, ein Großeinsatz von Feuerwehrkräften aus der ganzen Stadt wurde mit Löscheinsätzen von Hubschraubern der Armee unterstützt. Am späten Nachmittag hieß es, das Feuer sei unter Kontrolle. Ob es Tote oder Verletzte gab, ist nicht bekannt.

Die Militärpolizei und Sicherheitskräfte haben erste Untersuchungen eingeleitet, um die Ursache des Feuers herauszufinden. In sozialen Mediennetzwerken und bei Gesprächen verbreiteten sich rasch Spekulationen, dass mit dem Feuer möglicherweise Beweismaterial zu der schweren Explosion vom 4. August vernichtet werden sollte. Dabei wurden mehr als 190 Personen getötet, rund 6500 wurden verletzt und Tausende Gebäude in Beirut wurden ganz oder teilweise zerstört. Die Zahl der Obdachlosen wird offiziell mit rund 300 000 Menschen angegeben.

Auch politisch kommt das Land nicht zur Ruhe: Der vom Parlament neu gewählte Ministerpräsident Mustafa Adib steckt inmitten einer schwierigen Regierungsbildung. Adib wird von einer diffusen und zunehmend gewalttätigen Protestbewegung abgelehnt. Von ausländischen Politikern wie dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron steht Adib unter Druck, rasch eine Regierung zu bilden und notwendige Reformen umzusetzen. Adib hat Präsident Michel Aoun aus Gründen der Geldersparnis und Eile vorgeschlagen, das Kabinett auf nur zwölf Minister zu verkleinern, die jeweils zwei Ministerien leiten sollen. Aoun hat den Vorschlag bisher abgelehnt, scheint aber nicht abgeneigt zu sein, einige der Ministerien nicht wieder zu besetzen.

Macron besuchte den Libanon Anfang September und verlangt, eine Reformregierung innerhalb von zwei Wochen im Libanon auf die Beine zu stellen. Adib hat eine »Expertenregierung« angekündigt. Danach sollen die Minister nicht einer der bestehenden Parteien und Bündnisse angehören, sondern sich vor allem durch Sachkenntnis auszeichnen. Teile der Libanesen fordern von Frankreich, die libanesische Hisbollah unschädlich zu machen und aus zukünftigen politischen Entwicklungen auszugrenzen. Macron verwies darauf, dass das nicht seine Aufgabe sei, zumal ein großer Teil der Libanesen die Hisbollah gewählt hätten. Macron hat zwei Libanon-Konferenzen im Oktober in Paris angekündigt. Bei einer Konferenz sollen erneut Hilfsgelder eingeworben werden, bei der zweiten Konferenz soll es um politische Reformen im Libanon gehen. Im Dezember will Macron erneut in den Zedernstaat reisen. Er hat bereits mit Konsequenzen gedroht, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

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