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Warnsignale aus den Kliniken

Jedes vierte Intensivbett mit Covid-Patienten belegt, vereinzelt Aufnahmestopps

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

Entwarnung gibt es keine: Auch die Normalstationen in den Krankenhäusern der Hauptstadt füllen sich mit Corona-Patienten. »Der rasante Anstieg der Infektionszahlen ist abgebremst, aber wir müssen auch wieder in die Beherrschbarkeit der Lage kommen«, fordert Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Trotz kleinerer Anzeichen der Abdämpfung der Infektionsdynamik sei man davon weit entfernt.

Die Pandemie-Lage bleibt trotz der Schließungen und Beschränkungen durch den Teil-Lockdown weiter angespannt. Dafür sprechen nicht nur hohe Infektionszahlen in einzelnen Bezirken wie Spandau mit der stadtweit höchsten Inzidenz von 309,5. Die zweithöchste hat Tempelhof-Schöneberg (281,8), an dritter Stelle folgt Neukölln mit 227,3. Die 7-Tage-Inzidenz für die ganze Stadt liegt laut Gesundheitsverwaltung bei 7614 Infektionen. Als Grund für hohe Zahlen gilt der Zusammenhang zwischen Dynamik und Dichte: je enger die Wohnverhältnisse, desto mehr Menschen stecken sich gegenseitig an.

Am Wochenende war zudem die Berliner Corona-Ampel zum ersten Mal seit der Einführung des Warnsystems im Mai auch beim Kriterium Intensivbetten-Belegung auf Rot gesprungen. Der am Sonntag nachgemeldete Samstagswert von 25,3 Prozent Covid-19-Patient*innen auf Intensivstationen lag über der festgelegten Marke von 25 Prozent. Am Abend markierte der Lagebericht der Gesundheitsverwaltung für Sonntag dann 24,2 Prozent und die Ampel wechselte wieder auf Gelb. Berlin hat inzwischen 64 220 bekannte Infektionsfälle. Bei den Todesfällen kamen drei hinzu, es sind nun 553.

Kalayci äußerte sich am Montag auch zu Meldungen, dass einzelne Krankenhäuser wie das DRK-Klinikum Köpenick, Vivantes Neukölln oder das Auguste-Victoria-Klinikum keine Patient*innen mit einer Covid-19-Erkrankung mehr aufnehmen würden. Bei den steigenden Zahlen müsse man damit rechnen, dass das nächstgelegene Krankenhaus voll sei, so die Senatorin. Die Notfallplattform Ivena zeige die zur Verfügung stehenden Kapazitäten aber an und da könne man trotz zeitweiliger Engpässe sehen: »Die Betten sind da, nur nicht in jedem Krankenhaus zur selben Zeit.«

Demnach werden derzeit 304 Menschen mit einer Covid-Erkrankung auf Intensivstationen behandelt, 210 Intensivbetten stehen noch zur Verfügung. Zudem könnten die Kliniken innerhalb von 24 Stunden 271 weitere Betten aktivieren, erklärte Kalayci. Für den »ganz, ganz schlimmen Ernstfall« hätten die Krankenhäuser mit 300 Betten weitere Kapazitäten. Zudem habe Berlin noch das Reservekrankenhaus an der Messe. Auch auf Normalstationen werden derzeit über 800 Covid-Patient*innen versorgt. Wenn belastete Kliniken dann noch mit Ausbrüchen zu kämpfen hätten, werde es kritisch, so Kalayci.

Als weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nannte die Gesundheitssenatorin die Aufstockung bei Schutzausrüstungen. Im Bestand sind demnach 26 Millionen OP-Masken, 3,6 Millionen KN95-Masken 3,6 Millionen, 135 000 FFP2- und 186 000 FFP3-Masken. Zudem seien mittlerweile eine Million Schnelltests von insgesamt 3,7 Millionen an Einrichtungen der stationären Pflege (650 000), der Obdachlosenhilfe und an die Kliniken (200 000) ausgegeben worden. Auch Eingliederungshilfe, Polizei, Feuerwehr und Öffentlicher Gesundheitsdienst seien bestückt worden.

Stefanie Fuchs von der Linkspartei gab im Gesundheitsausschuss zu bedenken, dass es in der Eingliederungshilfe kein medizinisch ausgebildetes Personal für die Durchführung von Tests gebe. Die Grünen-Politikerin Fatos Topas fragte ergänzend, warum nicht mehr mobile Angebote auf die Straße gebracht würden. Der Personalmangel sei schließlich ein großes Problem und das werde absehbar nicht gelöst. Wo es möglich sei, werde mobilisiert, entgegnete die Gesundheitssenatorin: durch Umschichtung, die Erhöhung der Arbeitsstunden bei Teilzeitkräften und die Zurückholung von Menschen, die nicht im Beruf arbeiten.

Franziska Leschewitz von der Linkspartei monierte zur Frage der Verteilung von Impfdosen, dass berlinweit nur sechs Impfzentren eingerichtet werden sollen. Es werde mobile Impfstellen für Menschen über 75, die nicht mobil sind, geben, kündigte Dilek Kalayci dazu an. Die Impfstellen sollen denjenigen vorbehalten sein, die sie auch erreichen könnten. Krankenhäuser müssen Impfungen selbst organisieren. Man warte auf die bundespolitischen Entscheidungen zur Priorisierung, wer zuerst geimpft werde, erklärte sie weiter.

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