Gefährliche Geschlechterrollen

Meine Sicht: Marie Frank über die neue Studie zu homo- und transfeindlichen Übergriffen

  • Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Es ist nicht schön, wenn man als Frau in der Öffentlichkeit Pfiffe und sexistische Sprüche erntet. Noch schlimmer ist es, wenn diese Sprüche bei der Erkenntnis in Gewalt umschlagen, dass es sich bei dem Objekt der Begierde um keine Cis-Frau handelt - also eine Person, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde. Doch genau davor müssen Trans-Frauen und -Männer immer noch Angst haben. So wie Lesben und Schwule in der vermeintlich so weltoffenen Metropole Berlin immer noch körperliche oder psychische Gewalt erfahren, wenn sie sich in der Öffentlichkeit küssen. Sie sind in Gefahr, weil sie lieben, wen sie lieben, oder aussehen, wie sie aussehen.

Doch wie kann man hassen, dass Menschen sich lieben? Dahinter steckt vor allem eine fragile Männlichkeit. Denn es sind vor allem Männer (91,5 Prozent!), die homo- oder transfeindliche Übergriffe begehen, wie der bundesweit erste Monitoring-Bericht zu dem Thema zeigt. Was nicht heißt, dass man jetzt Mitleid mit den Tätern haben muss, im Gegenteil. Schon das Wort Homo- oder Transphobie ist irreführend: Es ist keine Angst oder Phobie, die diese Menschen leitet, es ist Hass. Um den zu bekämpfen, muss aber eben auch an den Männlichkeitskonstrukten in dieser Gesellschaft gearbeitet werden. Denn toxische Männlichkeit ist höchst gefährlich - also die Vorstellung, Männer sollen keine Schwäche zeigen, höchstens Wut, sie sollen hart sein, aggressiv und nicht zärtlich oder liebevoll, schon gar nicht miteinander, und dass Konflikte durch Gewalt gelöst werden.

Hier muss früh gegengesteuert werden. Jungen müssen von Kindesbeinen an lernen, dass diese männlichen Rollenbilder Unsinn sind, Emotionen nicht nur im Fußballstadion erlaubt sind und Zärtlichkeit und Verletzlichkeit ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche sind. Ebenso müssen Mädchen lernen, dass Sexismus nicht normal ist, sie alles können, was Jungen auch können und sie nicht dazu da sind, Männern ihre Gefühlswelt zu sortieren und zu erklären. Und Kinder und Erwachsene müssen lernen, dass es nicht nur Jungen und Mädchen oder Männer und Frauen gibt, sondern sie alles sein können und sich das auch jederzeit ändern kann. Wenn es soweit ist, gehören psychische und physische Gewalt gegen Frauen und Queers vielleicht der Vergangenheit an.

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