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Zusätzlich bis zu 150 Busse bei der BVG

Die Verkehrsverwaltung will mehr Abstand in den öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

Ab Mitte des Monats sollen zusätzlich zu den rund 1400 regulär im Einsatz befindlichen Bussen bis zu 150 weitere Fahrzeuge das Netz der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verstärken. »Der Senat verfolgt damit das Ziel, den Infektionsschutz im ÖPNV zu erhöhen, indem durch bessere Verteilung der Fahrgäste das Abstandhalten erleichtert wird«, erklärt Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Vorgestellt wurde das Konzept bei der Senatssitzung am Dienstag vergangener Woche, beschlossen werden soll es nun diesen Dienstag. »Für die zusätzlichen Einsätze bis Ostern stehen bis zu fünf Millionen Euro bereit«, berichtet Thomsen.

In der ersten Januarhälfte hatte die Verwaltung von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) die BVG zunächst mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt, wie in den Zeiten hoher Auslastung die Bus-Frequenz auf kritischen Linien erhöht werden kann. Demnach hätte der Buseinsatz schrittweise mit eigenen Fahrzeugen bis März um 80 Busse gesteigert werden sollen. Im April sollten dann noch einmal 50 weitere Busse nebst Personal angemietet werden. Das war der Senatsverkehrsverwaltung allerdings nicht ambitioniert genug. Die Ausweitung des Busverkehrs soll vor allem mehr Abstand im Schülerverkehr schaffen.

»100 bis 150 Busse nebst Fahrern werden in so kurzer Zeit nur zusammengekratzt werden können, wenn auch Reisebusse in Erwägung gezogen werden«, sagt Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB, zu »nd«. Solche nicht behindertengerechten Fahrzeuge könne man als Zusatzleistung in der Situation durchaus akzeptieren.

»Man wundert sich jedoch, dass in der Senatsverkehrsverwaltung rund elf Monate nach Beginn der Corona-Pandemie auf einmal Aktionismus ausgebrochen ist«, so Wieseke weiter. Viel Zeit sei verplempert worden, ohne strategische Überlegungen zu machen. »Man hätte beispielsweise Konzepte entwickeln müssen, wie die Ringbahn entlastet werden kann«, sagt der Fahrgastvertreter. Wenn die Berufsverkehrsspitzen entzerrt werden sollen, müsse auch das Angebot außerhalb verbessert werden. Die Sechs-Wagen-Züge der Ringbahnlinien S41 und S42 fahren tagsüber nur alle zehn Minuten, was zu oft sehr vollen Fahrzeugen führt. »Kann innerhalb der S-Bahn umgeschichtet werden, um die Züge alle fünf Minuten fahren zu lassen oder stattdessen auf acht Wagen zu verlängern? Solche Fragen hätten spätestens im Sommer geklärt werden müssen«, sagt Wieseke. Auch auf Straßenbahnlinien wie der M6 oder M8 sei eine Kapazitätserhöhung nötig, um mehr Abstand gewährleisten zu können.

»Der Berliner Fahrgastverband fordert immer noch eine Aufarbeitung der Versäumnisse vom Beginn der Pandemie«, erinnert Jens Wieseke. Knall auf Fall hatte die BVG im März 2020 den Bus- und U-Bahn-Verkehr stark ausgedünnt, die Fahrzeuge waren zum Teil sehr gut gefüllt. Begründet wurde dies mit einem hohen Krankenstand. Verkehrssenatorin Günther erklärte später, dass dies ohne ihre Anordnung geschehen sei.

Im Busnetz hat die BVG bereits Umschichtungen vorgenommen. So verkehrt die vor allem bei Touristen beliebte Linie 100 tagsüber nur noch alle zehn statt alle sieben bis acht Minuten. Auf einen Zehn-Minuten-Takt halbiert wurde der Verkehr auf der Linie X7 zwischen Rudow und dem Flughafen BER. BVG-Chefin Eva Kreienkamp hatte auch angekündigt, kapazitätsstarke Doppeldeckerbusse auf Linien mit starkem Berufs- oder Schülerverkehr zu verlegen. Zu den aktuellen Plänen, wo und wann die zusätzlichen Busse verkehren sollen, wollte man sich bei der BVG am Montag noch nicht äußern. »Wir warten den Senatsbeschluss ab«, hieß es auf nd-Anfrage.

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