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Allmächtiger Herr der Ringe

Dopingskandal, Gigantismus, Intransparenz - Thomas Bach lässt sich als Krisenmanager des IOC wiederwählen. Doch die Kritik ist groß

  • Von Andreas Schirmer
  • Lesedauer: 3 Min.

Für die einen ist er der allmächtige »Herr der Ringe«, andere schätzen ihn als Reformer oder gar Visionär. Thomas Bach polarisiert die Sportwelt, genießt im Internationalen Olympischen Komitee aber den Status der Unantastbarkeit. Bei der virtuell ausgetragenen 137. Session des IOC an diesem Mittwoch gilt die Wiederwahl des 67-Jährigen aus Tauberbischofsheim für weitere vier Jahre als Präsident als Formsache. Ein Gegenkandidat fehlt.

»Seine Amtszeit ist mit Krisen für den olympischen Sport verbunden, wie es sie in den vergangenen 30 Jahren nicht gegeben hat«, sagte Max Hartung, Vorsitzender von Athleten Deutschland. In der Tat war Bach acht Jahre lang oft als Krisenmanager gefragt, wurde für seine Strategien und Problemlösungen aber viel kritisiert - auch von Hartung. Besonders kreidet der Säbelfechter dem IOC-Präsidenten dessen Umgang mit dem Dopingskandal in Russland an. Das IOC hatte kurz nach dessen Entdeckung 2016 trotzdem knapp 300 russische Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio starten ließ. »Das hat viel Vertrauen gekostet«, bekräftigte Hartung.

Unerfüllte Hoffnungen

Auch die Rolle des ersten deutschen IOC-Chefs als Reformer bewertet Hartung kritisch. Die Bach’sche Agenda 2020 enthalte wichtige Themen wie Nachhaltigkeit, kostengünstigere Spiele, Athleten mehr in den Mittelpunkt rücken oder mehr Transparenz. »Damit hat sich eine sehr große Hoffnung auf grundlegende Veränderungen verknüpft«, sagte er. Diese seien aber nicht erfüllt worden. Das Bild, das man sehe, »ist eines von tiefgreifendem Wandel und Fortschritt«, heißt es hingegen im Abschlussbericht der Agenda 2020, die nun als Agenda 2020+5 fortgeschrieben werden soll. Auch Alfons Hörmann lobt die Errungenschaften des ersten Agendateils, der die Vergabe der Olympischen Spiele »deutlich verändert« habe. Die Doppelvergabe der Sommerspiele 2024 und 2028 könne nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes »getrost als ein großer Coup seiner Amtszeit« bewertet werden.

Es war aber auch ein Befreiungsschlag, der nach dem Absprung von Hamburg, Boston, Budapest und Rom, aus der Not geboren war. Zum Teil waren die Bürger in diesen Ländern abgeschreckt vom olympischen Gigantismus der Winterspiele 2014 in Sotschi, der bis Tokio anhält. Die Spiele in Japan galten schon vor der Verlegung in den kommenden Sommer als eine der teuersten in der olympischen Geschichte.

Die Auswirkungen der 2019 erneut geänderten Olympiastädtekür bekam jüngst auch der DOSB zu spüren. Überraschend hatte das IOC verkündet, Brisbane als bevorzugten Kandidaten für 2032 anzusehen und damit auch die deutsche Initiative Rhein-Ruhr-City ausgebootet. Nicht nur deshalb geht die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, mit dem IOC-Boss hart ins Gericht. »Das IOC war und ist ein exklusiver Zirkel der sportpolitischen Macht, und dank der Olympischen Spiele ein gigantisches Geschäftsmodell«, sagte die SPD-Politikerin. Die für den Erfolg des Businessmodells notwendige Klaviatur spiele Bach »zweifellos virtuos« und sichere damit seine unangefochtene Macht. Außerdem sei die Präsidentschaft des Fecht-Olympiasiegers von 1976 von Nachsicht gegenüber Staaten geprägt, »die die Werte des Sports wie Fairness und Respekt demonstrativ mit Füßen« treten würden. Olympische Spiele würden weiter in Staaten vergeben, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung seien.

Gern gestreute Mär

»Es ist auch nur eine in der internationalen Sportszene gern gestreute Mär, dass Sportgroßveranstaltungen in solchen Staaten zu spürbaren und nachhaltigen gesellschaftspolitischen Verbesserungen führen würden«, sagte Freitag. »Was soll nach den Spielen 2008 in Peking besser geworden sein?« Dennoch stehen 2022 die Winterspiele wieder in Peking an, »trotz weiterhin vorhandener Menschenrechtsverletzungen«.dpa/nd

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