+++ Mehr als 4000 Corona-Patienten auf Intensivstationen +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Sonntag, 04. April 2021: +++ Corona-Inzidenz sinkt auf 127 +++ Niederlande ab Dienstag Hochinzidenz-Gebiet +++ Indien kämpft mit hohen Infektionszahlen

  • Lesedauer: 6 Min.

+++ Großbritannien überlegt Einführung von Impfnachweis +++

London. Die britische Regierung will Impfnachweise einführen, damit Stadien, Kinos oder Nachtclubs mit möglichst niedrigem Corona-Risiko wieder für Besucher öffnen können. »Angesichts des Schlags, den das Nachtleben und die Unterhaltungsbranche im vergangenen Jahr hinnehmen mussten, müssen wir über alles nachdenken, was Betrieben helfen könnten, früher zu öffnen«, schrieb der britische Staatsminister Michael Gove am Ostersonntag in einem Gastbeitrag im »Sunday Telegraph«.

In Israel habe sich mit den sogenannten grünen Pässen gezeigt, wie das öffentliche Leben mit solchen Zertifikaten wieder Fahrt aufnehmen könne, so Gove. Außerdem verlangten bereits einige Länder bei der Einreise entsprechende Nachweise. Nutzer sollen per App - oder alternativem Papierdokument - nachweisen können, dass sie entweder gegen Corona geimpft oder negativ getestet sind. Bis tatsächlich eine entsprechende App startklar ist, könnte es dem »Telegraph« zufolge jedoch noch Monate dauern.

Premierminister Boris Johnson will am Ostermontag die Pläne für Impfpässe sowie für internationale Reisen genauer vorstellen. Die Impfzertifikate sind in Großbritannien nicht unumstritten: So kritisierten nicht nur Vertreter der Opposition, sondern auch etliche Mitglieder aus Johnsons konservativer Tory-Partei die Pläne als diskriminierend und spaltend. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Parlament einer Einführung zustimmen müsste.

+++ Über 93.000 Neuansteckungen in Indien +++

Delhi. Die Anzahl der Coronavirus-Neuinfektionen in Indien hat den höchsten Stand seit mehr als sechs Monaten erreicht. Binnen 24 Stunden seien 93 249 neue Ansteckungen gezählt worden, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Das ist der höchste Wert seit dem 19. September vergangenen Jahres. Premierminister Narendra Modi habe angesichts der Lage ein Treffen mit seinen Corona-Beratern einberufen, meldete der Sender NDTV.

Indien hatte am Donnerstag seine Impfkampagne ausgeweitet, und alle Menschen ab 45 Jahren dürfen sich impfen lassen. Allerdings liegt die Kampagne derzeit noch deutlich hinter dem von der Regierung angestrebten Ziel, bis Sommer 300 Millionen der mehr als 1,3 Milliarden Einwohner des Landes impfen zu lassen. Seit dem Impfstart im Januar wurden rund 75 Millionen Dosen verabreicht.

+++ Bundeswehr impft erstmals rund um die Uhr +++

Lebach. Das bundesweit erste Impfzentrum der Bundeswehr im saarländischen Lebach arbeitet seit Sonntag rund um die Uhr. Im Drei-Schicht-Betrieb seien bis zu 1000 Impfungen pro Tag möglich, teilte das Verteidigungsministerium bei Twitter mit. Rund 110 Soldaten würden dazu eingesetzt. Mehr als 14 000 Nachttermine bis Mai seien vergeben, erklärte das Ministerium am Sonntag. Das Impfzentrum auf dem Gelände einer Kaserne ist eines von vier im Saarland, in dem Saarländer gegen Corona geimpft werden. Es ist seit Anfang März in Betrieb. Bislang gibt es noch ein weiteres Impfzentrum der Bundeswehr in Berlin, ein drittes sei in Bonn im Aufbau.

Grafiken: Das sind die aktuellen Impfzahlen für Deutschland

Den Betrieb in Lebach hatte das Saar-Gesundheitsministerium bei der Bundeswehr beantragt. Im Rahmen von Amtshilfeanträgen sind im Saarland bereits gut 500 Soldaten eingebunden: Die Einsätze reichten von der Nachverfolgung von Kontakten in Gesundheitsämtern über Unterstützung in Impfzentren bis hin zu Schnelltests in Altenheimen und in Kommunen, hieß es.

+++ Mehr als 4000 Corona-Patienten auf Intensivstationen +++

Berlin. Erstmals seit Anfang Februar liegen in Deutschland wieder mehr als 4000 Corona-Patienten auf der Intensivstation. So wurden am Ostersonntag 4051 Menschen intensivmedizinisch behandelt, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in ihrem täglichen Corona-Bericht schreibt (Stand 4.4., 12.15 Uhr). Das sind 133 Patienten mehr als am Vortag. Rund 55 Prozent der Covid-Patienten auf Intensivstation werden invasiv beatmet.

Anfang Januar erreichte die Zahl der Covid-Intensivpatienten einen Höhepunkt mit mehr als 5500 Fällen. Mit dem Abschwellen der zweiten Welle ging diese Zahl deutlich zurück, Anfang März waren es weniger als 3000 Patienten. Mit der steigenden Zahl an Neuinfektionen in der dritten Welle geht auch die Zahl der Intensivpatienten wieder nach oben. Dies geschieht mit Verzögerung, auch weil zwischen einer Infektion und einer Einlieferung ins Krankenhaus einige Zeit vergeht.

Mediziner und Wissenschaftler fordern seit Tagen eindringlich einen harten Lockdown, um die Infektionszahlen zu drücken und dadurch auch den Druck von den Kliniken zu nehmen. Wenn sich der derzeitige Trend fortsetze, »sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt«, sagte Christian Karagiannidis kürzlich der »Rheinischen Post«. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters.

+++ Russland erlaubt Einreise wieder +++

Nach rund einem Jahr sollen Deutsche mit gültigem Visum wieder auf dem Luftweg nach Russland einreisen dürfen. Das geht aus Änderungen einer Verordnung hervor, die die russische Regierung in der Nacht zum Sonntag in Moskau veröffentlichte.

Die neue Regelung gilt demnach auch für Ausländer, die eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland haben. Auch die deutsch-russische Auslandshandelskammer informierte über die gelockerten Einreisebeschränkungen. Auf der Einreise-Liste der russischen Regierung stehen neben Deutschland auch Venezuela, Syrien, Tadschikistan, Usbekistan und Sri Lanka.

Ab wann wieder russische Touristenvisa für Deutsche vergeben werden sollen, blieb aber zunächst unklar. Vor rund einem Jahr wurden wegen der Corona-Pandemie die Visavergabe weitgehend und der Flugverkehr zwischen den beiden Ländern komplett eingestellt.

Russland hatte bereits zum 1. April den regulären Flugverkehr mit Deutschland wieder freigegeben, die Verordnung über die Einreisebestimmungen ergänzte den Vorgang jetzt. Zuvor hatten deutsche Passagiere nur mit Sondergenehmigungen einreisen können.

+++ Niederland ab Dienstag Hochinzidenzgebiet +++

Berlin. Wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen in den Niederlanden stuft die Bundesregierung das Nachbarland nach Ostern als Hochinzidenzgebiet ein. Wer ab Dienstag von dort nach Deutschland einreist, muss bereits bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen können, wie das Robert Koch-Institut am Sonntag bekanntgab. Die Quarantänepflicht von zehn Tagen mit der Möglichkeit, sich nach fünf Tagen mit einem zweiten Test zu befreien, bleibt unverändert. Für Pendler gibt es Ausnahmeregelungen.

Nach Tschechien, Polen und Frankreich sind die an Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen grenzenden Niederlande das vierte Nachbarland, das als Hochinzidenzgebiet mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Inzidenz) eingestuft wird. Zuvor galten die Niederlande laut RKI als Risikogebiet, Einreisende mussten erst nach 48 Stunden ein Corona-Testergebnis vorlegen können.

Von den 26 EU-Partnerländern Deutschlands sind ab Dienstag mit den Niederlanden 13 als Hochinzidenz- und 13 ganz oder teilweise als Risikogebiete eingestuft. Die Niederlande mit rund 17 Millionen Einwohnern befinden sich seit Mitte Dezember in einem Lockdown, seit Ende Januar gilt auch eine abendliche Ausgangssperre. Dennoch nehmen die Infektionszahlen weiter zu. Die Regierung hat bereits angekündigt, dass nicht mit einer schnellen Lockerung der Maßnahmen zu rechnen sei.

Zuletzt waren am Samstag 7682 neue Infektionen registriert worden, 413 mehr als am Vortag. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei etwa 300 Infektionen pro 100 000 Einwohner.

+++ Corona-Inzidenz sinkt auf 127 +++

Berlin. In Deutschland sind innerhalb

eines Tages mehr als 12.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden 12.196 neue Ansteckungsfälle und 68 neue Todesfälle registriert. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 17.176 Neuinfektionen und 90 neue Todesfälle verzeichnet. Das RKI wies am Sonntag darauf hin, dass rund um die Osterfeiertage weniger Tests gemacht und gemeldet würden.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz verringerte sich im Vergleich zum Vortag leicht von 131,4 auf 127. Die Sieben-Tage-Inzidenz, welche die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen angibt, stieg zuletzt stetig an, nachdem sie im Februar zwischenzeitlich auf unter 60 gefallen war. In den vergangenen Tagen blieb sie etwa gleich.

Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Fälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie erhöhte sich nach Angaben des RKI auf 2.885.386. Insgesamt 76.963 Infizierte starben. Agenturen/nd

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