Alle zusammen für die Gesundheit

Klimabewegung unterstützt Klinik-Beschäftigte im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen

  • Von Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.

»Noch nie wurde so deutlich wie während der Corona-Pandemie, dass es dringend mehr Personal und gute Arbeitsbedingungen in unseren Krankenhäusern braucht«, erklärt Johanna. Die junge Frau, die sich am Montagabend in der digitalen Diskussion zum Thema »Gesundheits- und Klimakämpfe zusammenzubringen« zu Wort meldet, ist Mitglied der Berliner Krankenhausbewegung, in der sich Mitarbeiter*innen von Charité und Vivantes zusammengeschlossen haben. Ebenso wie die anderen Diskussionsteilnehmer*innen fordert sie mehr Personal sowie einen Tarifvertrag, der für jede Station und jeden Bereich eine verbindliche Personalbesetzung regelt.

Arbeitskampf für mehr Lohn und Personal

Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen in den Kliniken geht es ihr unter dem Motto »TVöD für alle!« um bessere Arbeitsbedingungen auch bei den Vivantes-Tochterunternehmen. Seit Jahren würden bei Vivantes die Reinigungskräfte, die Küchenarbeiter*innen, die Beschäftigten im Labor oder beim Patiententransport wie Beschäftigte zweiter Klasse behandelt und schlechtergestellt. Einen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) wie ihre Kolleg*innen im Mutterkonzern haben sie nicht. Auch die Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH (CFM) verdienen nach wie vor weniger als ihre Kolleg*innen bei der Charité.

Unterstützung aus der Klimabewegung

Das will die Krankenhausbewegung ändern, daran ließen die Redner*innen während der einstündigen Digitaldebatte keinen Zweifel. Jahrelang war man überzeugt, dass ein Arbeitskampf in den Krankenhäusern nicht möglich ist. Doch weil es in der Pandemie mehr Öffentlichkeit für die Beschäftigten gab und sie als »Held*innen des Alltags« gefeiert wurden, sehen sie jetzt die Zeit gekommen, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dafür haben sie Verbündete in der Klimabewegung, die sich beim Thema Pflege ausnahmsweise für »mehr Kohle« einsetzen.

Zu den Unterstützer*innen gehört neben den Umweltaktivist*innen von Fridays for Future und Ende Gelände auch die vor wenigen Monaten gegründete Klimaliste, die für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus kandidiert. Sie alle wollen die Krankenhausbewegung bei ihren Kämpfen um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstützen. Die erste Etappe dieser Auseinandersetzung soll am Tag der Pflege am 12. Mai mit einer Kundgebung vor dem Roten Rathaus beginnen. Dort wollen 500 Krankenhausbeschäftigte zusammen mit 500 Unterstützer*innen ihre Forderungen an den Senat überreichen.

Klinik-Beschäftigte machen Druck

Am selben Tag beginnt auch ein 100-Tage-Ultimatum an Senat und Klinikleitungen. Denn werden die Forderungen der Beschäftigten in dieser gesetzten Frist nicht umgesetzt, startet die nächste Etappe im Kampf der Krankenhausbeschäftigten. Dann könnte wenige Wochen vor den Wahlen ein Arbeitskampf in Berliner Krankenhäusern beginnen - mit den Aktivist*innen der Klimabewegung im Rücken.

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