Die Wirksamkeit soll bei 91,6 Prozent liegen

Fragen & Antworten zum russischen Impfstoff Sputnik V

Bislang steht eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA aus. Offen ist auch, wie viel Impfstoff Russland kurzfristig liefern kann.

Welche politischen Bedenken gibt es?

Russland gab bereits Mitte August 2020 mit Sputnik V den weltweit ersten Corona-Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung frei. »Impfen ist immer auch Politik, es geht nie nur um medizinische Fragen«, sagt Historiker Malte Thießen. Er spricht von Vorbehalten im westlichen Teil der EU. Die Vergiftung von Kremlkritiker Alexej Nawalny dürfte für manchen Bürger zudem ein Grund sein, sich kein Produkt aus Russland injizieren lassen zu wollen. Den Namen Sputnik für einen Impfstoff zu wählen, sei bereits eine »Propaganda erster Klasse«, so Thießen. Sputnik 1 hieß der erste gestartete Satellit, mit dem die Sowjetunion 1957 die westliche Welt schockierte.

Welche Zweifel bestehen?

Wissenschaftler beklagten vor allem das Fehlen schlüssiger Daten. Grund ist, dass die Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse sogenannter Phase-III-Studien stattfand. Das widerspricht dem üblichen Ablauf. Denn erst in der Prüfung mit Tausenden Probanden können Nebenwirkungen erkannt werden, so das Paul-Ehrlich-Institut.

Erste Details zu Sputnik V veröffentlichten die Forscher im September 2020 in der Fachzeitschrift »The Lancet«. Demnach regt der Impfstoff eine Immunantwort an. Bei insgesamt 76 Teilnehmern konnten in der Testphase I/II Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Das wissenschaftliche Prinzip der Impfung sei aufgezeigt worden, so die Forscherin Polly Roy von der London School of Hygiene & Tropical Medicine im Fachblatt »The Lancet«.

Wie funktioniert der Impfstoff?

Das vom staatlichen Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelte Vakzin ist ein sogenannter Vektorimpfstoff und damit dem Impfstoff von AstraZeneca ähnlich. Um die Informationen in den Körper zu schleusen, nutzen beide abgeschwächte, harmlose Viren. Ziel ist es, das Immunsystem dazu zu bringen, Abwehrreaktionen gegen Sars-CoV-2 hervorzurufen. Bei Kontakt mit dem Coronavirus ist der Körper dann vorbereitet und kann die Infektion besser eindämmen.

Wie wirksam ist Sputnik V?

In einer »Zwischen-Analyse« der wichtigen Testphase III mit rund 20 000 Freiwilligen kamen russische Forscher auf eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Die Ergebnisse wurden Anfang Februar 2021 ebenfalls im medizinischen Fachblatt »The Lancet« publiziert. Sie decken sich mit früheren Angaben. Eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 91,6 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als in der Kontrollgruppe. Damit hat Sputnik V demnach eine in etwa gleiche Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer und eine deutlich höhere als AstraZeneca. Nach Darstellung der Moskauer Behörden funktioniert Sputnik V auch bei der ansteckenderen Variante B.1.1.7. Der Impfschutz war 21 Tage nach der zweiten Impfung aufgebaut. Bislang wurden erst fünf Millionen Russen mit diesem Impfstoff geimpft

Wie viel verkauft Russland davon?

Weltweit haben 56 Länder Sputnik V zugelassen, wie der staatliche Direktinvestmentfonds RDIF mitteilt. In der EU ist das Präparat auch ohne Zulassung schon in Ungarn und in der Slowakei im Einsatz. Länder wie Tschechien und Österreich haben Interesse signalisiert. Experten gehen davon aus, dass etwa ab Mitte dieses Jahres in der EU 50 Millionen Menschen mit Sputnik V versorgt werden können, wenn die EMA ihre Zustimmung zum Impfstoff gibt. Der Preis für eine Dosis wurde zuletzt mit unter 10 US-Dollar (etwa 8,40 Euro) angegeben. dpa/nd

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