Niemand muss geräumt werden

MEINE SICHT: Claudia Krieg hofft auf einen Wechsel in der Räumungspolitik

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.
Jugendzentrum Potse: Niemand muss geräumt werden

Bei Druck hilft nur Gegendruck. An diesen Spruch habe ich schon lange nicht mehr denken müssen, aber angesichts der ausgesetzten Räumung des Jugendclubs »Potse« ist er mir wieder eingefallen. Ich bewundere wirklich die Beharrlichkeit, mit der sich die Jugendlichen und ihr Verein für ein Fortbestehen ihrer Räume und der offenen Arbeit dort einsetzen – trotz des offenkundigen jahrelangen Widerwillens des Bezirks, pro-aktiv eine tragfähige und gute Alternative zu finden, nachdem man sich zuvor schon hinter der angeblichen Machtlosigkeit gegenüber dem Diktum des Eigentums verschanzt hatte.

Dennoch haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die genau wissen, was ihnen die Freiräume bedeuten, für die Spießer und Konservative nur abschätzige Kommentare übrig haben, nicht aufgegeben. Sie haben sich Verbündete gesucht und sich nicht unterkriegen lassen, trotz des machtvollen Gehabes von Bezirkspolitikern. Sie wollten sich nicht ausspielen lassen gegen andere Menschen in anderen Frei- und Kulturräumen, die immer rarer werden – zumindest die, in den es nicht vorrangig um Geld geht, sondern um die Musik und die alternativen Lebensweisen, mit denen Berlin sich Jahrzehnte lang selbst beworben hat.

Um Geld ging es am Ende auch bei der »Potse«, denn der Verein musste eine Art Pfand hinterlegen, dass er auch wirklich aus den seit 2019 besetzten Räumlichkeiten auszieht. Dafür wurde Geld gesammelt, dass für viele Jugendliche sehr viel ist – und oben genannten Politikern mit entsprechendem Sälar nur ein müdes Lächeln wert sein dürfte. Es ist umso begrüßenswerter, dass sich die Berliner Linkspartei in das Geschehen eingemischt hat. Am Ende aber zeigt es nur: Niemand muss geräumt werden. Diese Stadt kann und muss lebenswert für alle sein und vor allem denen Freiräume ermöglichen, die damit nicht qua Geburt und Kontostand der Eltern ausgestattet sind. Dafür kämpfen zum Glück auch die »Potse«-Kids – und nicht nur für sich selbst.

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