Forschen in Unsicherheit

Ulrike Wagener über prekäre Arbeit in der Wissenschaft

  • Von Ulrike Wagener
  • Lesedauer: 2 Min.
Wissenschaftler*innen kämpfen gegen prekäre Arbeitsbedingungen an den Hochschulen
Wissenschaftler*innen kämpfen gegen prekäre Arbeitsbedingungen an den Hochschulen

In der Corona-Pandemie hat die Wissenschaft wichtige Arbeit geleistet. Täglich wurden Infektionszahlen einer biomedizinischen Forschungseinrichtung im Radio angesagt, ein Virologe bekam einen viel gehörten Podcast, und sehnlichst erwartete man die Impfstoffe von Biotechnologieunternehmen. Auch geisteswissenschaftliche Ansätze waren gefragt: Was macht die Einsamkeit mit dem menschlichen Körper? Welche Folgen hat die Pandemie für die Geschlechtergerechtigkeit? Wissenschaftsjournalist*innen wie Mai Thi Nguyen-Kim bekamen wichtige Preise.

Doch der Glanz in der Öffentlichkeit täuscht über die prekären Arbeitsbedingungen in den Hochschulen hinweg. Fast 80 Prozent aller Wissenschaftler*innen haben laut Hochschulreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds befristete Verträge. Unter dem Hashtag IchbinHanna teilten in den letzten Tagen auf Twitter Wissenschaftler*innen ihre Erfahrungen mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das Befristungen erlaubt, aber auf zwölf Jahre begrenzt. Danach winkt nur einem Bruchteil der Beschäftigten eine unbefristete Stelle als Professor*in. Zu den Kettenbefristungen kommen nun Sparmaßnahmen zahlreicher Landesregierungen in Millionenhöhe hinzu. Gefährdet ist damit nicht nur die Arbeit Einzelner, sondern ganze Studiengänge werden als »unwichtig« eingestuft.

Kaum ist Krise, schon wird gekürzt. Zusammenschlüsse aus lokalen hochschulpolitischen Gruppen und Initiativen mobilisieren gegen die Sparpolitik an deutschen Hochschulen

Damit scheint auch in der Politik ungesagt eine Einstellung vorzuherrschen, die den Betroffenen auf Twitter ganz unverblümt entgegenschallt: Arbeitet doch erst mal »richtig«. Langfristig schadet diese Einstellung nicht nur den Arbeiter*innen in der Wissenschaft, die trotz prekärster Bedingungen forschen, sondern auch der Gesellschaft. Forschung braucht Zeit und Geduld - und muss auch dort beginnen, wo kein unmittelbarer Nutzen entsteht. Denn würde man immer erst mit der Forschung anfangen, wenn es drängt, stünden wir wohl noch lange ohne einen Corona-Impfstoff da.

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